Trauma und Ekel

Jul 11

Was hat Ekel mit Trauma zu tun?

Ekel ist etwas, was wir im Gespräch mit anderen eher nicht thematisieren. Außerdem ist das Gefühl meist von kurzer Dauer und mit dem Verschwinden der Quelle auch wieder vorüber.

Doch Ekel kann auch zu einem Teil des Lebensgefühls werden und das ist für viele Betroffene schwer einzuordnen. Da gibt es zum Beispiel die Personen, die sehr viel putzen und einen schon fast ungesunden Hygienestandard pflegen. Und dabei entsteht die Frage: Woher kommt es, dass manche sich ständig ekeln?

Ekel als Grundemotion

Ekel ist ein Gefühl. Er gehört zu den Grundemotionen und ist sehr einnehmend und unangenehm.

Ekel ist oft mit Essen und mit Abneigung davor verbunden. Wenn unsere Sinnesorgane signalisieren, dass das Essen nicht so schmeckt, riecht oder aussieht, wie wir es kennen, entsteht oft Ekel. Jeder hat mal auf einer Reise unbekannte Speisen gesehen und gespürt, wie der Ekel sich anbahnt. Auch kennen wir Ekel bei mangelnder Hygiene und reagieren dementsprechend angewidert. Ekel ist ein Gefühl, dass uns sagt, da ist etwas nicht in Ordnung. Wir können also davon ausgehen, dass es uns vor etwas schützen soll, was nicht nahe an uns heran kommen soll.

Auch können wir Ekel im Gesicht voneinander ablesen. Es ist eine wichtige Information, wenn wir zusammen als Gruppe unterwegs sind und ich sehe, dass Du Dich vor irgendetwas ekelst. Ich höre dann erst einmal prophylaktisch mit dem Essen auf, damit ich mich nicht vergifte. Ekel hat also auch eine soziale Funktion in einem gemeinschaftlichen Gefüge Einzelne zu schützen.

Wie kann Ekel entstehen?

Im Zusammenhang mit Trauma entsteht Ekel durch Grenzüberschreitung. Das heißt, wenn uns etwas zu nahe kommt, in welcher Form auch immer, kann in uns Ekel ausgelöst werden. Erzwungene Nähe kann auch dazu gehören, denn jemand hat meine persönlichen Grenzen überschritten. Besonders wenn es um sexuelle Gewalt geht, ist der Ekelfaktor sehr hoch.

Es kann aber auch sein, dass wir einen Elternteil hatten, der oder die energetisch sehr übergriffig gewesen ist. Damit meine ich, dass Du vielleicht eine Mutter hattest die Dich absorbiert hat und energetisch in Dich hineingekrochen ist. Durch diese Form von Grenzüberschreitung entsteht ebenfalls Ekel, weil Du nicht regulieren konntest, wie nahe Dir Deine Mutter kommen durfte. Dieses ungesunde Verhältnis ist beispielsweise bei Kriegskindern und ihren Eltern zu beobachten. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_vergessene_Generation

Normalerweise ist man in den ersten zwei, drei Jahren Teil des Nervensystems der Mutter, oder generell der ersten Bezugsperson. Es besteht tatsächlich eine Integration. Das ist zunächst auch sinnvoll, denn von unseren Eltern lernen wir unser Selbstregulation. Sie sollten wissen, wie gesunde Grenzen aussehen, damit ich diese für mich kennenlerne.

Die traumatische Erfahrung nicht ich selbst sein zu dürfen

Mit der Zeit des Heranwachsens sollte sich diese Verbindung mehr und mehr lösen. Das bedeutet, das Kind entwickelt einen eigenen Raum, eine eigene Blase, eigene Grenzen. Irgendwann im Laufe der Individuation entzweien sich die verbundenen Blasen voneinander und es sind zwei eigenständige Menschen.

Besonders manche Mütter haben Schwierigkeiten damit, dass Kind in die eigene Individuation zu entlassen. In manchen Fällen sind die Kinder bereits im Rentenalter und trotzdem noch nicht von der Mutter abgenabelt. Das ist invasiv.

Wenn diese Art energetische Verschmelzung gegeben ist, hat sie etwas Klebriges. Dieses Klebrige löst den Ekel aus. Ich bin nie ich selbst und immer überwältigt von der Energie einer anderen Person. Das erzeugt Ekel.

Um den Ekel in Deinem Leben zu reduzieren, ist es wichtig, dass Du Dich aus dieser Verbindung oder Blase löst. Das ist nicht einfach, denn die andere Person will vielleicht nicht gehen. Aber das ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir können andere nur sehr schwer dazu bringen sich energetisch zurückzuziehen.

Die Möglichkeit, mit dem Ekel umzugehen

Sich selbst aus dieser klebrigen Verbindung zu lösen ist nicht einfach und dauert seine Zeit. Auf diesem Weg kann es sein, dass dich ein immenser Schmerz von Verlassenheit und Einsamkeit überkommt. Du hast Dich eigentlich noch nie als völlig eigenständiges Wesen erlebt und auch wenn das unangenehm und oft zu viel ist, ist es doch eine Bindung. Du bist daran gewöhnt.

Doch ganz oft war diese Bindung als Kind nie eine gesunde Beziehung. Möglicherweise war Deine Bezugsperson nicht für Dich, sondern du für sie da. Das ist Teil dieser Invasion. Du hast Dich um Deine Mutter gekümmert und dafür gesorgt, dass sie funktioniert. Denn du brauchtest Deine Mutter. Das ist die Aufgabe, die Kinder sofort übernehmen.

Interessanterweise verstehen wir unter dieser Art Bindung 'Liebe'. Dabei verwechseln wir hier Liebe mit Gebrauchtwerden.

Die invasive Bindung lösen

Die Bindung zur Bezugsperson ist meist die einzige Bindung, die es als Kind gab. Wenn Du sie anfängst zu lösen, spürst Du die Einsamkeit, die eigentlich dahinter gesteckt hat. Es war nie jemand wirklich für Dich da, sondern Du immer nur für andere.

Es ist Teil des Weges das zu betrauern, damit umzugehen und diesen Raum freizumachen für Menschen, die Dich wirklich ehrlich mögen.

Oft betrifft diese Verbindung von Ekel und Bindung Menschen, die von ihren Eltern nichts oder nicht viel bekommen haben. Sie hängen sehr viel mehr an ihren Eltern, als diejenigen, die satt geworden sind und eine sichere Bindung erfahren haben. Gerade diesen Menschen fällt es schwer sich von ihren Eltern zu trennen und sich ihrem Leben, ihrer Liebe und anderen Menschen zu zuwenden.

Je mehr Du Deinen Raum abgrenzt und diese Invasion verarbeitest, desto mehr wird auch der Ekel schwinden.

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