Trauma und dein Umgang mit Grenzen

Mai 16

Trauma und dein Umgang mit Grenzen

Was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen: „das ist mir zu nah gewesen“ oder jemand war „übergriffig“ oder mit „das geht mir zu weit“?

Grenzen haben viele verschiedene Gesichter und sind ein spannendes und wichtiges Thema, so dass ich es hier wiederholt aufgreifen möchte. In meinem Selbsthilfe-Online-Kurs „Mit Trauma leben“ widme ich diesem Thema ein ganzes Modul, eben weil es so wichtig ist.

Ohne Grenzen fühlen wir uns wie in einem Haus ohne Türen

Wenn wir unsere Grenzen nicht spüren und auch nicht verteidigen können, leben wir in unserem Körper wie in einem Haus, dessen Fenster und Türen wir nicht schließen können. Wir müssen ständig auf „Hab Acht“ sein, damit wir schon von weitem etwaige Gefahren erfassen und uns dann zurückziehen können.... um der Gefahr auszuweichen.

Grenzen können innerlich wahrgenommen werden in dem Sinne, dass ich „an meine Grenzen stoße“.

Dies kann beim Sport sein oder bei einer beruflichen Herausforderung oder in einem psychischen „Extremzustand“. Wir fühlen, dass wir mit etwas nicht mehr zurechtkommen, uns etwas deutlich stresst oder wir mit der jeweiligen Situation überfordert sind.

Es gibt unterschiedliche Formen von Grenzen

Wir haben aber auch räumliche Grenzen und unsere Haut ist dabei die allerletzte Grenzlinie. Der Raum um uns herum ist in gewissem Sinne ein Teil unseres Selbst. Oft spürt man schon „von weitem“, wenn etwas unangenehm ist oder jemand uns zu nahe kommt. Gehen wir z.B. im Wald spazieren oder liegen im Sommer an einem See, so fühlt es sich oft schon unangenehm an, wenn jemand in 100 Meter Entfernung auftaucht.

Andererseits können wir uns durch dichte Menschenmengen schieben oder in einer Kinoschlange stehen ohne dass wir die Enge bewusst bemerken.

Räumliche Grenzen oder der persönliche Raum sind gesellschaftlich erworben. Deutsch sozialisierte Menschen haben einen anderen persönlichen Raum als italienische. Man merkt es z.B. schon an der Art und Weise, wie sich Italiener und Deutsche begrüßen. Wir als Deutsche sind viel zurückhaltender und weniger körperlich. Dies führt oft zu Missverständnissen und unangenehmen Gefühlen auf beiden Seiten.

Wenn man überall und nirgends ist

Traumatisierte Menschen - vor allem sehr früh traumatisierte Menschen -  haben oft einen gefühlten großen Raum um sich herum. Sie haben „alles im Blick“!

Jede Bewegung, jede Veränderung wird registriert und oftmals als sehr invasiv erlebt. Der ganze Körper ist ständig damit beschäftigt, alles zu „scannen“ und zu kontrollieren. Das ist auf Dauer sehr anstrengend und kraftraubend. Und es können auch kaum „echte“ Begegnungen stattfinden, da die ganze Welt  - und auch Menschen - oft  als Bedrohung empfunden werden.

Für früh traumatisierte Menschen ist es sehr schwer, ihren Körper tatsächlich zu fühlen und zu füllen. Deshalb ist Kontrolle so wichtig, weil ihnen der Körper als stabile Referenz nicht zur Verfügung steht. Wenn jemand zu nah kommt ist die Reaktion statt Hinwendung oft Erstarrung und Rückzug.
Dies führt zu einem Stresskreislauf und oft zu noch mehr Dysregulation, weil die Welt nie als sicher empfunden wird.

In unserem Gespräch diskutieren wir das Thema noch eingehender und ich hoffe, du findest Erklärungen und Hintergründe für bestimmte Verhaltensweisen!

Transkript

Trauma und Dein Umgang mit Grenzen

Hallo, herzlich willkommen beim Blog Traumaheilung, ich bin Dami Charf und habe heute Besuch von Susanne Czerwinski, die in Berlin als Therapeutin arbeitet. Uns verbindet seit zwanzig Jahren eine gemeinsame Geschichte, nicht nur freundschaftlich, sondern auch, weil wir beide gemeinsam Wendo gemacht haben, Selbstverteidigung, Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen, und Susanne das immer noch gelegentlich macht. Ein Thema, das dabei natürlich besonders spannend ist, ist Grenzen, Abgrenzung, was darf man, was darf man nicht. Das sind immer die Fragen, die dabei aufkommen, und darum geht der heutige Blog.

Dami:

Hallo Susanne.

Susanne:

Hallo Dami.

Was und wo sind Grenzen?

Dami:

Susanne hasst es auch, vor der Kamera zu sitzen. Vielen Dank, dass du dich trotzdem hierher bequemt hast. Ich dachte, wir sprechen einfach großflächig über das Thema Grenzen, und da gibt es viele verschiedene Schattierungen. Einige Themen und Fragen, die wir in den Wendo-Kursen immer wieder haben, sind auch, was wir sehen, wenn wir mit Menschen arbeiten und vor allem mit Frauen. Ich dachte, wir tauschen uns ein bisschen aus, und ich hoffe, dass das auch für Dich interessant ist. Wie würdest du denn Grenzen überhaupt definieren? Da fängt es ja schon an.

Susanne:

Grenzen definieren ist letztendlich gar nicht so einfach, weil sie individuell völlig unterschiedlich sind. Je nachdem, was wir für Referenzen haben – dadurch entstehen solche Fragen ja auch immer, was darf ich, was darf ich nicht? Weil oft gar kein selbstreferentielles System besteht für das Gefühl, ob das gerade in Ordnung ist oder nicht, weil da immer die Außenorientierung kommt oder die Orientierung an irgendwann, an irgendwem, weil das zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht stattgefunden hat, weil sie früh nicht gelernt haben, was Grenzen sind oder dass die gebrochen worden sind.

Dami:

Für manche ist vielleicht das Wort Referenzen nicht so klar, deswegen hake ich da mal ein. Wir orientieren uns in unserem Verhalten immer an Überzeugungen, an Gelerntem, an dem Gefühl, das etwas verursacht, und das nutzen wir als inneres Referenzsystem, um uns sozial zu bewegen. Zum Beispiel, wenn man in einen Aufzug mit anderen Menschen geht, ist es in Deutschland so, dass wir sozial trainiert sind, in diesem Augenblick an die Decke zu schauen, auf den Fußboden, sonst wohin, auf jeden Fall nicht anderen Leuten in die Augen, weil es räumlich viel zu nah mit Fremden ist. Also orientieren wir uns an dem, was wir sozial gelernt haben. Das bezeichnen wir hier als innere Referenz.

Wenn wir geboren werden, sind wir in der Blase unserer Mutter, unserer Eltern, in dem Nervensystem eingeschlossen, und das sollte sich irgendwann separieren. Bei manchen separiert sich das aber nie so richtig, weil die Eltern, in dem Fall meistens die Mütter, ihre Kinder nie wirklich entlassen. Nicht in dem Sinne, dass mir egal ist, was Du tust, sondern entlassen in einem energetischen Sinn. Dann haben wir als Referenz: Liebe ist, wenn ich immer für jemanden da bin, wenn jemand immer Zugang zu mir hat, wenn ich immer alles fühle, was der andere fühlt. Das gilt uns dann als Referenz und wir kommen völlig durcheinander, wenn das nicht so ist. Siehst du das auch so als halbwegs richtige Definition?

Susanne:

Genau. Darum geht es, dass ich kein Gefühl dafür entwickeln kann, was eine Grenze ist. Ich würde gerne noch einmal zu dieser Vorstellung von Grenze, zu einer Definition zurückkehren. Du hast am Anfang gefragt, was das eigentlich ist. Da gibt es sehr unterschiedliche Ebenen, zum Einen die körperliche Begrenzung, wenn ich fühle, hier fange ich an, hier höre ich auf, eine Grenze, die ich sehen kann, wie wenn ich vor einer Mauer stehe, die ich visuell und haptisch erfassen kann. Ich merke, da fängst du an, da hörst du auf.

Die andere Ebene ist die der vorgestellten Grenzen, das, was ich denke. Räumlichkeiten zum Beispiel. Habe ich überhaupt ein Gefühl dafür, wie viel Raum ich einnehme? Ich gehe ja oft über meinen Körper hinaus. Wo gibt es da eine Grenze, wo fange ich an, mich unwohl zu fühlen? Das ist ja auch niemals statisch, sondern wie zum Beispiel im Aufzug ziehe ich meine Grenzen teils automatisch zurück, weil ich jemandem quasi auf den Füßen stehe in dem Raum, über die Grenzen der anderen Person hinweg. Da haben wir dann, wie du beschrieben hast, Strategien, damit wir den anderen trotzdem nicht zu nahetreten. Und die variieren, je nachdem, wie viel Raum ich selbst überhaupt habe, und wie bewusst ich mir meiner Grenzen bin.

Variabilität von Grenzen

Dami:

Ich hab früher immer gerne als Beispiel genommen, dass, wenn wir im Bus sind, uns neben jemanden stellen oder setzen und das je nach unserer Laune mal mehr, mal weniger erträglich ist, es irgendwie geht, aber wenn wir morgens am Baggersee liegen und zweihundert Meter um uns ist niemand, und dann kommt jemand und legt sich fünfzig Meter neben uns, haben wir das Gefühl, der ist viel zu nah, viel zu aufdringlich, das heißt, unser Raum ist hochvariabel.

Die Frage ist, wie gut nehme ich den überhaupt war. Eine Traumatisierung ist ja immer eine Bresche durch Grenzen, egal ob psychisch oder physisch, auf jeden Fall ist eine Traumatisierung eigentlich immer eine Grenzüberschreitung und oftmals werden dann die Grenzen nicht mehr gut gespürt. Oder sie sind knallhart und es gibt keinerlei Verhandlungsraum.

 Susanne und ich sitzen uns zum Beispiel wegen der Kamera sehr, sehr nah, das heißt, wir müssen zulassen, dass jemand anderes in unserem Raum sitzt, ohne uns aufzulösen, uns verletzt zu fühlen oder bedrängt. Das ist, was gesunde Grenzen ausmacht, dass ich die verhandeln kann, auch in mir. Dass ich mich trotzdem weiter spüre und nicht angegriffen fühle, auch, wenn mal Situationen sind, wo jemand aus welchem Grund auch immer sehr nah ist – wobei, nicht immer, es kommt natürlich auch auf die Absicht an.

Grenzen bewusst spüren

Susanne:

Einerseits die Absicht, und das andere, was vorhin schon kurz angesprochen wurde, ist diese große Verunsicherung, wenn meine Grenzen verletzt worden sind, oder ich nicht wirklich ein Gefühl oder Gespür dafür habe. Oder dass ich auch gar nicht das Gefühl habe, ich habe ein Recht auf meine Grenzen, weil ich erfahren habe, dass Menschen sowieso darüber hinweggehen, und ich eigentlich keine Strategien entwickelt habe, sie zu schützen. So entsteht auch, dass ich dann mal knallhart bin, wenn ich dich spüre, dass ich sage, das ist jetzt meine Grenze, die ist da, darüber kommt niemand, ohne das in dem Kontext zu sehen, wie die Situation eigentlich gerade ist, wer das ist, sondern ich von den Erfahrungen ausgehe, quasi aus der Vergangenheit agiere, und den aktuellen Bezug nicht so herstellen kann.

Da fängt es an, wahnsinnig wichtig zu sein, eigene Grenzen überhaupt erst mal wieder zu spüren, eine Referenz zu entwickeln und Strategien, dass ich die Erfahrung mache, dass ich meine Grenzen halten und unter Umständen auch verteidigen kann, je nachdem, wo sie gerade ist. Je größer mein Handlungsspektrum darin wieder wird, desto sicherer fühle ich mich, wenn ich das Gefühl habe, ich kann sie halten, wenn es drauf ankommt.

Da sind wir ein bisschen wieder da, wo wir herkommen, bei der Selbstverteidigung. Wenn ich überhaupt erst mal wieder das Gefühl von körperlicher Ermächtigung habe und die Kraft spüre, dich im Notfall niedermachen zu können, dich umhauen zu können, mich körperlich verteidigen zu können, macht das im Kopf, im Stammhirn unglaublich viel. Selbst, wenn ich auf einer anderen Ebene unterwegs bin, zum Beispiel sagen muss, dass ich etwas nicht möchte, dass ich dann einen ganz anderen Hintergrund habe, wenn ich weiß, dass, wenn du mein Nein nicht akzeptierst, ich weiß, was ich dann weiter tue.

 

Gesunde Grenzziehung

Dami:

Interessanterweise hat man festgestellt, dass Menschen mit einem guten Selbstbewusstsein und einem echten Selbstbewusstsein, nicht so etwas aufgeblasenes, die sich darüber klar sind, was sie wollen und was nicht, einen viel kleineren Raum um sich haben als Menschen, die sehr unsicher und selbstunsicher sind. Die müssen sozusagen da hinten schon abchecken, ob jemand gefährlich ist oder nicht, während ich, wenn ich mir klar bin, dass ich mich zur Not auch verteidigen kann, dich auch mal nah ranlassen kann oder mit einem Fremden Kaffee trinken gehen. Ich weiß ja, wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich einfach, nein, tut mir leid, mehr ist nicht drin, das wars. Das macht einen ganz anderen Raum für Experimente in meinem Leben, wenn ich sagen kann, bis dahin und nicht weiter.

Was ich immer spannend finde, ist, dass wir das von anderen lesen. Menschen lesen das voneinander, und zum Beispiel, wenn Du deine Arbeit loswerden willst, und Du denkst nicht sozial, sondern willst einfach nur arbeitslos werden, wen würdest Du fragen, die Person kann nicht nein sagen. Genau so wissen wir, ob sich jemand wehrt.

Das Spannende ist, dass Frauen oft denken, dass, wenn sie sich mehr wehren, sagen, das möchte ich nicht, oder, dass eine Ansage eine Unverschämtheit ist, was auch immer, Leute weiter weg gehen, sie dann also mehr alleine sind. Wir haben ganz viel Angst, wenn wir unsere Grenzen klarer darstellen, dass wir dann einsam sind. Aber die Feststellung ist das Gegenteil. Menschen werden respektvoll, wenn ich klar bin. Also nicht unverschämt bin, sondern klar. Ganz großer Unterschied, klar und freundlich.

Klar kommunizieren

Susanne:

Grenzen erleichtern einfach ganz viel. Je klarer ich ein Gespür habe, nicht nur unbewusst, sondern bewusst, ob mir das nun wirklich klar ist, dass wir da aufeinander reagieren. Je klarer ich das in deiner Ausstrahlung sehe und dann auch, wenn du das sagst, also in deiner Verbalität, ist es für mich unglaublich viel leichter, mich daran zu orientieren. Wir mögen Grenzen, wir mögen Klarheit und suchen das. Wenn mir jemand immer sagt, das weiß ich nicht, keine Ahnung, entscheide du, ist er weniger zu greifen, und man weiß nie genau, woran man eigentlich ist. Wir mögen einfach, wenn es Klarheit gibt.

Dami:

Genau, das macht uns nicht unsympathischer. Das, wo es viele Reibungspunkte gibt, ist, wie ich Grenzen mitteile. Früher, als wir angefangen haben, war ich auch radikaler und naja, reden wir nicht darüber. Heute kann ich freundlich sein, wenn ich eine Grenze setze, und sagen, das ist mir zu viel oder das möchte ich nicht, aber ich muss dafür niemanden angreifen. Es ist ein Unterschied, ob ich sage, Susanne, das geht für mich nicht, oder ob ich sage, bist du bescheuert oder was. Das ist ein großer, großer Unterschied, denn bei dem einen mache ich hier meinen Raum klar, bei dem anderen gehe ich in ihren Raum hinein. Mit jeder Beleidigung, Unterstellung, mit jedem „Immer tust du das und das, kannst du nicht einmal das und das machen“, was ja in Beziehungen sehr beliebt ist, bin ich in ihrem Raum und dann wird sie anders reagieren. Dann muss sie mich nämlich erst mal rausschmeißen, und so eskaliert das dann.

Susanne:

Und ich bin dann natürlich nicht verhandlungsbereit, weil ich erst mal in die Verteidigung gehen muss.

Abstand schaffen

Dami:

Wir können nicht freundlich sein und wir können nicht überlegen, ob der andere Recht hat mit dem, was er sagt, wenn wir uns angegriffen fühlen oder wütend werden oder was auch immer. Dann reduziert sich unsere Frontalhirntätigkeit um 60%, wir reagieren aus dem Stammhirn, ich fühle mich angegriffen und fange an, um mich zu schlagen. Da ist auch der große Knackpunkt mit Traumatisierung, weil da geht es oft viel schneller, dass ich mich angegriffen fühle. Da ist wirklich dieses Atmen wichtig, schauen, wer bist du, willst du mir jetzt wirklich ans Leben, muss ich mich verteidigen, als ginge es um mein Leben, atmen und schauen, bist du das, und wirklich 21, 22, 23 zählen und erst jetzt sagen, was ich sagen möchte, oder was ich glaube, sagen zu müssen, in einem angemessenen Tonfall.

Susanne:

Das finde ich das Wichtige daran, diese Luft zwischen Reiz und Reaktion zu bekommen. Dass ich merke, das geht mir zu nahe, das ist zu invasiv. Es ist völlig legitim, erst einmal aus der Situation hinauszugehen, bevor ich reagiere. Erst einmal zu sagen, Moment, ich brauche etwas. Mich hinausdrehen, oder vielleicht sogar den Raum verlassen, sagen, ich komme in fünf Minuten wieder und dann kann ich dir eine Antwort geben, dann können wir weiter sprechen. Wieder in einen Zustand zu kommen, wo ich klar denken kann und aus diesem Modus bin. Wir haben oft dieses „Ja, dann ist es blöd, wenn ich nicht sofort reagiere“, und gerade Frauen haben oft dieses „Darf ich das überhaupt, muss ich das nicht erfüllen, wenn eine Anforderung oder generell eine Anfrage an mich kommt?“ Ich bin ja nett und deswegen mache ich das, ohne mir überhaupt die Zeit zu nehmen, mich zu fragen, ob ich das überhaupt will, wo meine Grenze ist. Nein zu sagen, damit da ein bisschen Luft reinkommt.

Nein sagen

Dami:

Ich denke, damit beenden wir erst mal. Als Experiment für Dich: Versuche mal, eine Woche lang bei jeder Anfrage, die kommt, oder bei allem, was Dich ärgert, erst einmal durchzuatmen oder zu sagen, ich brauche einen Moment. Auf jeden Fall, wenn Du zu denen gehörst, die viel zu schnell und zu oft ja sagen, dann sagst Du erst mal, Du brauchst einen Moment, das zu entscheiden, oder sagst erst mal grundsätzlich nein.

Susanne:

Interessantes Experiment.

 

Dami:

Das bringt ziemlich Bewegung auch in die Umgebung, damit muss man dann halt leben. Aber ich denke, wir können nur empfehlen, das wirklich einmal auszuprobieren, wie viel Raum das macht, und Du kannst dann beobachten, was für Gefühle das in Dir auslöst – macht Dir das Angst, denkst Du, die anderen gehen dann weg, niemand liebt Dich mehr? Es gibt diesen Satz, den ich mal in einer Ausbildung gelernt habe: Das Nein zu den anderen ist das Ja zu sich selbst.

Da ist unglaublich viel dran, deswegen gehen Kinder durch so eine Phase, in der sie immer nein sagen, egal was, weil sie über das Nein lernen, das bin ich und das bist nicht Du. Diese Phase haben wir zum Teil sehr ungenügend durchlaufen und deswegen sagen wir oft an den falschen Stellen ja und an den falschen Stellen nein. Um das wieder zu lernen, das kann man natürlich nachlernen, ist wirklich experimentieren gefragt, experimentieren deshalb, weil man dabei nichts falsch machen kann, sondern man fühlt einfach, was anfängt, zu passieren. Vielen Dank, Susanne.

Susanne:

Total gerne.

Dami:

Und vielen Dank für Deine Zeit und fürs Zuhören. Ich hoffe, es war ganz interessant. Ich versuche, dieses Jahr, also 2018, auch mehr Interviews zu machen, weil es vielleicht ganz interessant ist, wenn jemand anderes redet außer mir. Ich wünsche Dir einen schönen Tag, bis bald und tschüs, Dami.

Susanne:

Tschüs.