Feb 23

​Narzisstische Mütter

vom Verbot, du selbst zu sein

Sprechen Menschen darüber, dass sie eine narzisstische Mutter hatten, ist damit meist ein weiteres Feld gemeint, als der rein pathologische Begriff der narzisstischen Persönlichkeitsstörungen.

In Wikipedia finden wir zum Begriff des Narzissmus (https://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus) die folgende Erklärung:
"Der Psychiater und Neurowissenschaftler Raphael M. Bonelli kritisiert 2016 die theorielastige Narzissmusdiskussion des 20. Jahrhunderts und plädiert für ein naturwissenschaftliches Narzissmusverständnis unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse[51]. Für sein Modell des Narzissmus beruft er sich auf die neurobiologischen und genetischen Forschungen von Robert Cloninger, insbesondere die „drei Dimensionen des Charakters“ (Self-Directedness, Cooperativeness, Self-Transcendence). Narzissmus ist aus dieser Sicht gekennzeichnet durch den Dreischritt[52][53]

  1. Selbstidealisierung – im Sinne eines überhöhten Selbstwertgefühls und einer überzogenen Selbsteinschätzung. Der Narzisst hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit und glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein.
  2. Fremdabwertung – im Sinne einer Verachtung und aktiven Herabsetzung des anderen, die zu einer Kooperationsunfähigkeit führt. Der Narzisst zeigt deswegen eine Gier nach Bewunderung, legt ein Anspruchsdenken an den Tag, ist ausbeuterisch, unwillig zur Empathie, neidisch und arrogant.
  3. Selbstimmanenz – als Gegensatz zur Selbsttranszendenz bei Victor Frankl und Robert Cloninger. "Der Narzisst kann sich für kein höheres Ideal begeistern außer für sich selbst."

Dem gegenüber steht die narzisstische Persönlichkeitsstörung (https://de.wikipedia.org/wiki/Narzisstische_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung), bei der diese Eigenschaften noch weit mehr ausgeprägt sind. Hier die Beschreibung, ebenfalls Wikipedia:

"Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) zeichnet sich durch einen Mangel an Empathie, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und gesteigertes Verlangen nach Anerkennung aus. Typisch ist, dass die betroffenen Personen übermäßig stark damit beschäftigt sind, anderen zu imponieren und um Bewunderung für sich zu werben, aber selbst kein zwischenmenschliches Einfühlungsvermögen besitzen und keine emotionale Wärme an andere Menschen zurückgeben.

Narzisstische Persönlichkeiten weisen deutliche Probleme bei der Anpassung an ihre Lebensumstände und an ihr Lebensumfeld und in der autonomen Regulierung des Selbstwertgefühls auf. Solche Anpassungsschwierigkeiten können sich in vielfältiger Weise äußern und in verschiedenen Erscheinungsformen der NPS auftreten. Der übermäßige Geltungsdrang kann entweder selbstsicher in Szene gesetzt oder schüchtern verborgen werden. Dementsprechend können Betroffene arrogant auftreten oder sich bescheiden geben.

Pathologischer Narzissmus kann sich sowohl durch Prahlen und Hochstapelei äußern wie auch durch unersättliche Ansprüche und Erwartungen. Menschen mit einer NPS neigen dazu, Personen in ihrem unmittelbaren Umfeld – besonders Sexualpartner und Kinder – emotional zu missbrauchen, um dadurch den eigenen Selbstwert (ihr „Ego“) auf Kosten anderer zu erhöhen. Andere Formen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind gekennzeichnet durch eine Instabilität des Selbstwertgefühls bis hin zu einer Bipolarität des Selbstwertgefühls, das zwischen Grandiosität und schamvoller Zerknirschung pendeln kann, oder durch eine im Inneren chronisch schwelende Wut, die schon bei geringem Anlass explodieren kann (vor allem bei Kritik oder subjektiv empfundener Kränkung). [2][3][4] "

​Aus diesen beiden Beschreibungen wird die Tragik für Kinder narzisstischer Mütter bereits ablesbar.
​​Für ein Kind bedeutet dies, dass es meist ausgebeutet wird und nicht als eigenständiger Mensch gesehen und behandelt wird. Für narzisstische Mütter ist das Kind ein Teil ihrer Selbst, so dass es demnach auch keine abweichenden Handlungen vollziehen, andere Ansichten oder eigene Gefühle haben darf.

​Die Rollen drehen sich durch diese Persönlichkeitsstruktur der Mutter meist um: Das Kind hat die Aufgabe, die Mutter möglichst positiv zu spiegeln und für das Wohlergehen der Mutter zu sorgen. Das Kind nährt die Mutter und nicht umgekehrt.

​So bleibt eine reale Spiegelung und das Genährtwerden für das Kind aus.
Leider lernen wir alle durch die Art und Weise wie wir "geliebt" und behandelt wurden, was Liebe und Beziehung ist. Und Mangel bindet uns oft mehr an die Bezugsperson als Erfüllung. Das sind schwierige und oft tragische Prägungen, mit denen Menschen dann in ihr Erwachsenen-Dasein gehen.

Narzisstische Mütter lassen ihre Kinder natürlich auch niemals ziehen

Sie wollen diese symbiotische Beziehung, die sie nährt, nicht aufgeben. ​Oftmals bedeutet das für die Kinder narzisstischer Mütter einen lebenslangen Kampf, um sich aus dieser Verstrickung zu lösen. Und ein langer Kampf "des Kindes" bis es die eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse selbst überhaupt sehen und ernst nehmen kann.

​Eine Klientin von mir, die selbst eine eine narzisstische Mutter hatte, verteidigte diese noch in hohem Alter. Es war ihr kaum möglich, wirklich zu sagen, dass ihre Mutter grausam war. Diese hatte ihr jede eigene Gefühlsregung abgesprochen und ihr immer und immer wieder erklärt, dass es Quatsch sei, was sie fühle. Dies ging so weit, dass die Tochter einen Fuß gebrochen hatte und ihre Mutter ihr erklärte, dass sie sich das nur einbilde.

Zusätzlich zu diesen Extremen gibt es natürlich auch viele "mildere" Formen, die für die Kinder dennoch ebenso furchtbar in seinen Auswirkungen sein können.

​Das Umlernen, was Beziehung ist und was Liebe ist, dauert oft sehr lange. Das Lösen aus dem Muster "Liebe ist, bedienen zu müssen", kann schmerzhaft und langwierig sein. Auch die Überzeugung, dass man gar nicht anders als der/die Partnerin sein darf und im Grunde kein eigenes Ich besitzen darf, kann in späteren Beziehungen eine große Herausforderung sein.

​Wichtig ist auch hier, die Verantwortung für die Verletzungen dahin zu geben, wo sie hingehören: Zum Elternteil. Und sich gegebenenfalls von der Vorstellung zu verabschieden, dort noch etwas zu bekommen.

​Bei all dem ist es wichtig, mit sich immer wieder gnädig zu sein und dennoch Verantwortung für den eigenen Prozess und das eigene Sein zu übernehmen. Es kann hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen für diesen nicht leichten Weg.

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