Okt 06

​Trauma und Drama

Wie das Gehirn durch Trauma süchtig wird

Traumatisierungen führen zu einem ständigen auf- und  ab im Lebensgefühl, der Alltag wird zu einer Achterbahn der Gefühle. Überhaupt sind Gefühle ständig zu viel oder zu wenig.

Leider führt diese Dysregulation oft zu sehr viel Unruhe im Leben und vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dies hat nichts mit "Unfähigkeit" zu tun, sondern damit, dass Emotionen einerseits sehr schwer zu regulieren sind und uns sehr schnell aus dem Toleranzfenster bringen können. Andererseits kann es aber auch eine damit verbundene "Sucht" nach großen Gefühlen geben.

Man geht heute davon aus, dass Menschen, die in jungen Jahren sehr viel Stress ausgesetzt waren, sich an die Endorphinausschüttung gewöhnen, die immer mit der Adrenalinausschüttung einhergeht. Das Gehirn wird quasi süchtig und verlangt nach der Droge Endorphin.

Dazu kommt, dass man sich schnell damit identifizieren kann, dass man eben ein besonders emotionaler oder leidenschaftlicher Mensch sei und man davon ausgeht, dass dies ein Charakterzug ist mit dem andere zurecht kommen müssen.

Dramatische Inszenierungen können so Teil des Alltags werden, vergiften aber oftmals gerade nahe Beziehungen.

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Über diese Zusammenhänge ist das heutige Video:

Trauma und Drama

Hallo, ich bin Dami Charf und heute geht es um das Thema Drama. Trauma und Drama haben eigentlich keine Verwandtschaft, aber irgendwie eben doch. Ich freue mich, dass Du da bist.

Was haben Dramatik und Trauma miteinander zu tun? Was mich immer wieder Menschen fragen, ist: Warum geht es immer wieder mit mir durch? Warum bin ich oft so wütend oder so frustriert oder enttäuscht oder breche Streit vom Zaun und benehme ich auf eine Art und Weise, die andere vor den Kopf stößt und mich selbst frustriert und in der viele Emotionen liegen – und eben Dramatik?

Drama sind unregulierte Emotionen

Das zu verstehen hat damit zu tun, was dramatische Erlebnisse in uns auslösen. Was sie in uns hinterlassen, sind große Schwierigkeiten, Emotionen zu regulieren. Das ist ein Teil der Selbstregulationsfähigkeit, das wichtigste Thema überhaupt für Menschen mit Trauma. Das ist das Thema, das meine ganze Arbeit umfasst.

Emotionen können zerstörerisch sein

Ein Aspekt davon ist, Emotionen zu regulieren, und zwar so, dass sie für mich noch angenehm sind und auch situationsangepasst. Vielleicht magst Du sagen, Du willst nicht immer angepasst sein, aber darum geht’s mir nicht. Es geht mir nicht um eine gesellschaftliche Anpassung, sondern darum, dass ich Freunde behalten kann, dass ich eine Beziehung so führen kann, dass sie allen Beteiligten Freude macht, und dafür muss ich Emotionen regulieren. Auch gegenüber Kindern willst Du nicht aus der Haut fahren, sie anpampen oder schlagen oder sonst etwas tun, und hinterher bereust Du es. Das alles ist die Regulation von Emotionen. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Was wir dafür brauchen, ist viel Selbstbeobachtung und Übung, ganz viel Übung.

Drama ist nicht zu verwechseln mit Lebendigkeit

Heute will ich einfach erklären, warum wir immer wieder in diese Dramatik fallen und viele Menschen auch das Gefühl haben, wenn sie die sein lassen, ist ihr Leben stinklangweilig. So gibt es praktisch eine Dramasucht. Das ist tatsächlich eine Sucht, weil unser Körper jedes Mal, wenn wir in hohe Gefühle, in hohe Emotionalität gehen, unser Körper sowohl Adrenalin als auch Endorphine ausschüttet. Diese Endorphine sind so stark wie Heroin. Das sind körpereigene Morphine, die eigentlich dafür da sind, dass wir in einer Gefahrensituation, wenn wir angegriffen werden, keine Schmerzen mehr haben. Dasselbe bei Unfällen: So kommt es, dass Menschen selbst schwer verletzt noch um Hilfe rufen können, weil sie den Schmerz eben nicht fühlen.

Das Gehirn wird süchtig

Was man heute weiß und immer mehr aufnimmt, ist, dass, wenn Kinder in hochstressigen Haushalten aufwachsen, egal, welcher Art von Stress, sie immer wieder in Situationen kommen, wo sie mit Adrenalin und Endorphinen geflutet werden. Die Vermutung ist, dass das Gehirn nach diesem Kick süchtig wird. Das heißt, wir wachsen auf und haben ein Gehirn, das sagt „Jetzt Drama!“, weil es diesen Kick möchte. Das hat nichts damit zu tun, dass wir dumm sind oder unvernünftig, dass wir’s nicht gebacken bekommen, sondern wir sind tatsächlich süchtig, ohne es zu wissen.

Selbst Therapien können süchtig machen

Diesen Kick können wir uns auf verschiedene Arten und Weisen holen, manche machen Sport bis zum Abwinken, manche suchen sich etwas, wo sie ständig unter Adrenalin kommen, andere streiten in Beziehungen, was auch immer. Auf jeden Fall scheinen wir in Situationen immer wieder diesen Kick zu provozieren. Das funktioniert auch mit kathartischen Therapien, wo man ausagiert und Kissen vermöbelt oder die einfach hochdramatisch sind. Auch davon, das hat man untersucht, kann man süchtig werden, weil der Körper eben immer wieder diese Endorphine ausschüttet.

Beziehungen sind oft ein Ort der Dramatik

Der erste Schritt ist, zu erkennen, hier kann ich etwas nicht lassen – ich würde vielleicht gerne, wenn ich nüchtern bin, aber es kann auch manchmal sein, dass ich denke, mein Leben ist so langweilig, da muss mal wieder was passieren. Schwupps, inszeniere ich ein Drama. Beziehungen sind natürlich ideal dafür, weil sie sowieso ganz viel antriggern, unsere Geschichte, unsere Bindungsmuster. Deswegen kommt diese Endorphinsucht dort häufig ganz besonders zur Geltung.

Jede Sucht ist schwer zu lösen

Was mir wichtig ist, ist, dass Du weißt, dass es diesen Mechanismus gibt, damit Du nicht glaubst, dass Du irgendeine Macke hast, sondern dass es wirklich einen starken Mechanismus im Körper gibt, der das immer und immer wieder abfragt, damit wir diesen Rausch bekommen, und danach in die Entspannung gehen oder was auch immer dann folgt; manchmal ist es auch nur ein Kater und wir bereuen zutiefst, was wir alles von uns gegeben haben in dem Moment.

Diese Dramatik, die viele Menschen in ihrem Leben haben, hat also oft etwas damit zu tun, dass wir sehr früh daran gewöhnt worden sind und das Gehirn heute diese Dramatik wieder erzeugen will, um diesen Kick zu bekommen. Da herauszukommen ist tatsächlich wie bei jeder Sucht eine Entwöhnung, das ist der Versuch, immer weniger diese Dramatik zu bekommen und sich mit der Zeit immer besser regulieren zu können.

Ich hoffe wieder, es war eine Anregung für Dich, und ich freue mich, dass Du dabei bist. Vielleicht magst Du auch auf meine Seite gehen und Dich dort einschreiben. Dann bekommst Du eine ganze Videoserie zum Thema Trauma, um dich besser zu verstehen, und ein eBook, „Trauma verstehen“. Zweimal im Jahr mache ich einen Onlinekurs zum Thema Trauma und Selbstregulation, vielleicht interessiert Dich das, auch das erfährst Du, wenn Du Dich bei mir auf der Seite einträgst.

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