Wie Du einen guten Psychotherapeuten findest

Jul 05

Wie Du einen guten Psychotherapeuten findest

Kurz über mich: ich bin selbst in langjährige psychotherapeutischer Behandlung gewesen, die mich in die methodische Auseinandersetzung und meine Berufung geführt hat. Ich bin erfahrene Psychotherapeutin mit eigener Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Vor ein paar Jahren habe ich eine Methode in körperorientierter Psychotherapie entwickelt, die sich Somatische Emotionale Integration® nennt. In diesem Zusammenhang bin ich spezialisiert auf Traumatherapie und die Therapie von Entwicklungstrauma. Ich biete in diesem Bereich Aus- und Fortbildungen an und betreue psychotherapeutische Gruppen, die einen Großteil meiner Arbeit ausmachen. Mit diesem Hintergrund möchte ich dir ein paar Ratschläge für deine Suche nach einer/einem geeigneten Psychotherapeuten geben oder einfach über dieses etwas unübersichtliche Gebiet informieren.

Die Suche

Auf dem Weg zu einer Psychotherapie entstehen viele Fragen. Die Angst vor Leidensdruck oder unzureichender Hilfe in der Therapie halten uns oft lange ab, bis wir den Schritt endlich wagen. Unsere Erwartungen an die Person, die uns helfen soll, sind groß und die Sorge enttäuscht zu werden, ebenfalls.

Vielen Menschen geht es so. Aus diesem Grund möchte ich dir bei der Wahl der/des PsychotherapeutIn eine kleine Anleitung geben, die dir die Suche erleichtern soll. Es gibt einige Dinge zu beachten, die dir bei deinen spezifischen therapeutischen Bedürfnissen und Ansprüchen weiter helfen sollen. Denn wir alle haben eine unterschiedliche Geschichte, deren Bearbeitung unterschiedlicher Unterstützung bedarf.

Wenn du möchtest, kannst du dir auch meinen Ratgeber zu diesem Thema herunter laden. Der Link befindet sich ganz unten.

Starker Leidensdruck führt oft zu mangelnder Entscheidungsfähigkeit

Auffällig ist, dass die meisten Menschen sich erst auf die Suche nach einer/m PsychotherapeutIn machen, wenn der Leidensdruck und der damit verbundene Stresspegel schon relativ hoch sind. Problematisch daran ist, dass wir in Stresssituationen kaum einen klaren Kopf haben, um die passende Person und Therapieform auszuwählen.

Der Weg zum Therapeuten

Eine sehr häufige Anlaufstelle sind Ärzte, die nach Rat gefragt werden. Doch meistens kennen diese sich sehr wenig mit dem umfassenden Angebot therapeutischer Maßnahmen aus oder vertreten eine Haltung, die dem gegenüber oft wenig anerkennend ist. Schnell werden Psychopharmaka verschrieben oder andere Ursachen für psychische Leiden gefunden. Die meisten Ärzte verweisen auf kassenärztlich zugelassene Psychotherapeuten, Psychologische Psychotherapeutengenannt.

Die nicht kassenärztlich zugelassenen Psychotherapien werden meistens von Psychotherapeuten mit Heilpraktikerausbildung ausgeübt, wie beispielsweise mir. Aber es gibt auch Psychologen, die keine klassische Ausbildung gemacht, sondern eine der alternativen Psychotherapieformen gelernt haben.

Vor-und Nachteile kassenärztlicher Therapienformen

Das Erste, worauf Du stößt, wenn Du eine Psychotherapie suchst, ist ein vollkommen unübersichtlicher Therapiemarkt.

Der einfachste Weg für gesetzlich versicherte Klienten ist natürlich zu den kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeuten zu gehen, da sie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Wenn Du dich an die kassenärztlich zugelassenen Methoden halten willst, die bezahlt werden, dann landest Du bei den folgenden Therapieformen:

  • der Analyse
  • bei der Verhaltenstherapie
  • oder bei der Gesprächstherapie.

Ein Nachteil dabei ist, dass Sie inzwischen fast ein halbes Jahr bis ein Jahr, warten müssen. Vor allem wenn ein Therapeut einen guten Ruf hat.

Desweiteren bieten kassenärtzlich zugelassene Therapien leider nur einen Bruchteil von Therapieformen und Methodenauswahl an, die heutzutage möglich wären. Damit bleiben dir Therapieformen, die bei Dir eventuell angebracht und wirksam wären, unzugänglich. Zumindest, wenn Du sie nicht selbst bezahlen willst.

Deine Diagnose landet in der Kartei deiner gesetzlichen Versicherung

Etwas, was Du unbedingt berücksichtigen solltest, ist, dass eine psychotherapeutischen Diagnosen bei deiner Krankenkasse geführt werden. Die meisten Diagnosen werden von den Therapeuten so gestellt, dass deine Krankenkasse möglichst viele Behandlungsstunden finanziert. Das heißt, dass sie etwas dramatischer und nicht immer schmeichelhaft ausfallen, damit Du länger behandelt werden kannst. 

Es wird also nicht unbedingt immer zutreffend diagnostiziert. Dies kann Konsequenzen für dich haben. Denn solltest du in deinem Leben nochmal eine Lebensversicherung oder eine andere Versicherung mit Privatleistung abschließen wollen, könntest du damit durchaus Schwierigkeiten bekommen. Denn diese Informationen werden bei deiner Krankenkasse abgefragt.

All diese Therapieformen beschreibe ich in meinem Ratgeber und benenne Pro und Contra. Wie sinnvoll ist Gesprächstherapie zum Beispiel bei traumatischem Hintergrund? Generell gesprochen, ist sie in diesem Kontext nicht zu empfehlen, sondern ist eher contra indiziert. In meinem Ratgeber gehe ich darauf genauer ein.

Verschiedene Therapieformen

Weiterhin gibt es noch körperorientierte Psychotherapien und auch da verschiedene Methoden mit sehr unterschiedlichen Ausrichtungen. Ich gebe noch eine wichtige Anmerkung zu der Bezeichnung 'körperorientierte Therapien', da diese irreführend ist. 'Körperorientierte Therapie' bezeichnet Methoden, wie Feldenkreis, Rolfing, oder ähnliches. Wichtig ist es auf den Term 'Psychotherapie' zu achten, wenn es eine körperorientierte Ausrichtung sein soll.

Bekannte Therapieformen sind auch Kunst- und Gestalttherapie.

Bei der Systemischen Therapie ist wichtig zu wissen, dass diese wenig psychodynamisch arbeitet. Das heißt, hier arbeitest du nicht mit deinen inneren Mustern, die durch deine Geschichte entstanden sind, sondern eher mit dem sozialen Umfeld aus dem Du stammst. Das heißt der Fokus liegt auf der Gegenwart und Zukunft und weniger auf dem, was dich psychisch belastet.

Also, was macht einen guten Therapeuten aus?

Nachdem du dich genügend informiert und mühsam durch den Angebotsdschungel gearbeitet hast, weißt du vielleicht, was du willst und brauchst. Aber sofort taucht das nächste Problem auf: Du sitzt vor einem Therapeuten und weißt eigentlich überhaupt nicht was die Person vor Dir beurteilen soll.

Einer der wichtigsten Punkte ist deshalb, dass Du wirklich das Gefühl haben solltest, dass die Person vor Dir dich durchschaut! Und zwar auch dahingehend, was Du nicht erzählst. Deine Therapeutin oder dein Therapeut sollte dich wirklich gut spiegeln können und zwar auch Dinge, die dir neu sind oder die Du nicht gerne zeigen möchtest. Sie sollte etwas in Dir anregen und dich zum Nachdenken bringen.

Es geht in der Therapie darum, dass du ganzheitlich gesehen werden kannst und dann an Dir zu arbeiten lernst. Wenn ein/e TherapeutIn zwar eine nette/r GesprächspartnerIn ist, bei dir aber keine Veränderung anregt, wird der Zweck einer Therapie nicht erfüllt. Es bleibt womöglich lediglich das nette Gefühl, dass dir jemand zuhört und dich möglicherweise bestätigt.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist, dass Du das Gefühl haben solltest, dass du emotional aufgefangen werden kannst. Das bedeutet, dass der Therapeut oder die Therapeutin dich aushalten können sollte. Du brauchst in der Bearbeitung deiner Geschichte neutralen Halt und das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, damit du dich wirklich öffnen kannst. Es wäre absolut hinderlich, wenn Du glaubst, dein Gegenüber würde zusammenbrechen, wenn du von Dir erzählst.

Das Erstgespräch, die probatorische Sitzung

Wenn Du dann im Erstgespräch sitzt, in der sogenannten probatorischen Sitzung (so heißt das bei bei Kassen zugelassenen psychologischen Psychotherapeuten), ist es gar nicht so einfach auf die Fähigkeiten des möglichen Psychotherapeuten zu schauen.

Das Problem ist hier, dass Du meistens dazu aufgefordert wirst von Dir zu erzählen. Du fängst also an davon zu berichten, was dich beschäftigt, welche Probleme du hast und was dich unglücklich macht. Du tauchst in deine Geschichte ein und wirst mitunter emotional. Das Dilemma dabei ist, dass Du darüber vollkommen aus dem Blick verlieren kannst, wie die Person vor Dir eigentlich reagiert.

Meist vergisst man dann den Therapeuten zu wichtigen Informationen zu befragen, weil man so mit sich beschäftigt ist. Deswegen bereite dieses Gespräch und anfallende Fragen vorher gut vor. Dann weißt du, was und wie viel Du erzählen möchtest und wie viel Du über die andere Person vor dir erfahren möchtest.

Leider ist nicht jeder oder jede, der/ die Psychotherapie anbietet, in diesem Beruf auch wirklich gut. Wie in jeder Berufsgruppe gibt es gute und schlechte Therapeuten.

Wie funktioniert Psychotherapie?

Die wichtigsten Fragen, die sich die Wenigsten stellen ist 'Wie funktioniert Psychotherapie? Wie funktioniert Veränderung? Was muss passieren, damit wir uns verändern können? Und was ist eigentlich in uns, das uns so stur an Mustern hängen bleiben lässt, die uns nicht gut tun?"

Jeder von uns hat schon versucht sich zu verändern und festgestellt, wie schwer es ist. Deshalb brauchen wir gute psychotherapeutische Unterstützung, die uns bei dem Veränderungsprozess die nötigen Schritte erklärt und uns hilft. In meinem Ratgeber gehe ich auf diesen Aspekt genauer ein. Ich gebe dir dort das nötige Werkzeug dafür zu wissen, welche Vorstellung der Psychotherapeut von diesen Prozessen haben muss.

Das Wichtigste in einer Psychotherapie ist die Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Es bedarf einer Sympathie auf beiden Seiten. Die zwischenmenschliche Ebene muss passen, damit eine funktionierende Zusammenarbeit möglich sein kann. Denn Du bist in einer sehr persönlichen Beziehung zu diesem Menschen, auch wenn Du dafür bezahlst. Du musst das Gefühl haben dieser Person vertrauen zu können – Hundertprozentig. Dafür ist es wichtig, dass Du dich gesehen und erkannt fühlst.

Erkenntnisgewinn bringt nicht automatisch eine Veränderung

Nur weil ich etwas erkannt habe, heißt es noch lange nicht, dass es sich ändert! Denn Erkenntnis und ein starker Wille helfen uns zwar dabei motiviert in den Veränderungsprozess zu gehen, bewirken jedoch nicht die Veränderung selbst. Dafür bedarf es tieferer Arbeit.

Erkenntnis heißt, dass ich zum Beispiel weiß, dass es mir gut tut keine Schokolade zu essen oder nicht zu rauchen oder mehr Sport zu treiben. Jetzt ist Dir sofort klar, dass Erkenntnis leider nicht unbedingt zu irgendeiner Handlungsfolge oder Verhaltensänderung führt. Menschen sind vollkommen anders gestrickt und das ist ganz wichtig für Dich zu wissen und dies in die Therapie mit einzubeziehen.

Gespräche sind also nur bedingt hilfreich und bei traumatischen Erfahrungen können sie sogar schädigend für den Klienten sein. Was passieren kann ist nämlich eine Retraumatisierung hervorzurufen, weil sich der Klient immer wieder in die traumatische Situation hineinversetzt. Dadurch wird keine Heilung angeregt und schon gar nicht eine Veränderung bewirkt.

Wenn der Therapeut dich immer wieder von schrecklichen Erlebnissen erzählen lässt, sind seine/ihre Kompetenzen in Therapie und Traumatherapie sehr anzuzweifeln. Meistens geht es den Klienten nach solchen Sitzungen nämlich eher schlechter als besser.

Was kostet dich eine schlechte Therapie?

Ich habe schon viele Dinge von Menschen gehört, die bereits in anderer therapeutischer Behandlung waren. Mir wurde berichtet, dass es Therapeuten gibt, die in dem Gespräch einschlafen oder sich mit ihren Klienten über Ihre Gemüsebeete unterhalten. Oder Therapeuten, die ihren traumatisierten Klienten mit sexuellem Missbrauch als Hintergrund, sagen, dass es doch nicht so schlimm war, weil sie jetzt doch eine Beziehung haben.
Magersüchtige Klienten bekommen gesagt, dass sie aber doch eine gute Figur haben. Dass, was ich am häufigsten höre, ist: „Es hat sich nicht viel verändert. Ich habe jetzt drei Jahre Therapie gemacht und es hat sich überhaupt nicht die Veränderung eingestellt, die ich mir gewünscht habe.“

Das ist traurig! Diese Menschen haben viel Zeit und Hoffnung in ihre Psychotherapie investiert und es ist nichts dabei herausgekommen!?

Daraus kann sich eine sehr ungesunde Gedankenspirale entwickeln, nämlich, dass Du zu schwach, zu unfähig oder willenlos bist, um dich zu verändern. Du könntest denken, dass dein Leiden nie enden wird oder das Gefühl haben zu stagnieren und frustriert darüber werden.

​Sei aufmerksam bei der Suche eines Therapeuten!

Deshalb wünsche ich Dir wirklich den Mut dich zu trauen deinen Therapeuten bestimmte Dinge zu fragen, auch Dinge, die dir mancher Therapeut vielleicht nicht so gerne beantwortet. Dabei ist wichtig auf einer Antwort zu beharren. Es geht hierbei beispielsweise um die Frage, wie lange dein Therapeut in spe selber Therapie gemacht hat. Dies ist sehr entscheidend für eine gelungene Therapie mit der nötigen empathischen Leitung. Sollte es darauf keine Antwort geben, kannst du dich eigentlich von dieser Person zurückziehen.

​Es ist nicht sinnvoll eine Therapie bei jemandem zu machen, der sich nur theoretisch mit Psychotherapie auskennt. Das ist ein bisschen wie zu einem Schwimmlehrer zu gehen, der viele Bücher übers schwimmen gelesen hat, aber noch nie selbst geschwommen ist. Das möchtest du vermeiden. Und davon würde ich Dir auch wirklich von ganzem Herzen abraten.

Ich empfehle dir meinen Ratgeber

Dies und viel mehr kannst Du in meinem Ratgeber nachlesen. Du bekommst dort konkrete Tipps, was Du unbedingt mit deinem Therapeuten/ deiner Therapeutin abklären solltest. Du erfährst, wie verschiedene Verfahren funktionieren und welche Vor- und Nachteile diese haben. Ich schreibe auch darüber, wie Psychotherapien wirksam sind und warum manche in ihrer Therapie 'scheitern'.

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