Traumaintegration

Wie Traumaintegration gelingen kann

Ein traumatisches Ereignis wird meist begleitet durch ein immenses Gefühl von Verlust. Dieser Verlust kann unterschiedliche Formen haben, oft werden einfach die verlorene Zeit und die nicht genutzten Möglichkeiten, die das Leben hätte bieten können betrauert. Sehr häufig findet sich ein Verlust von Sinn und dem Gefühl zu einer Gemeinschaft zu gehören. Gerade bei frühen Traumatisierungen gibt es viele Menschen, die mit einem „Alien“ Gefühl aufwachsen und sich immer als getrennt von anderen wahrnehmen.

Eines der größten Verluste ist der Verlust von Sicherheit und das Herausfallen aus den Selbstverständlichkeiten des Lebens. Man hat erfahren, dass das Leben sich plötzlich verändern kann und dies kann mit einem anhaltenden Gefühl von Kontrollverlust und Hilflosigkeit verbunden sein. Dazu kommt, dass durch Entwicklungstrauma oftmals die Fähigkeit Hilfe zu suchen und anzunehmen nicht vorhanden ist. Dadurch wird das Gefühl von „außen vor sein“ noch verstärkt.

Gleichzeitig ist aufkommende Trauer oft auch ein Begleitzustand von therapeutischen Erfolgen. Onno van der Hart drückt dies wie folgt aus:

„Klienten empfinden Trauer nach jedem therapeutischen Fortschritt. Trauer ist die Brücke zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.“

Eine Traumatisierung ist allerdings nicht nur von Verlust begleitet, sondern auch von „Gewinn“. Diese bezeichnet man mit dem Namen „Traumatic Growth“(traumatisches Wachstum). Hierunter versteht man, dass traumatische Erfahrungen Menschen auch wachsen lassen, ihnen ein tieferes Verständnis für sich selbst und die Welt geben. Oftmals werden Menschen sensibler für sich und andere und offener für die verschiedenen Dimensionen des Seins.

Im besten Fall ist ein traumatisches Ereignis wie ein Tor, während unserer persönlichen Heldenreise. Ein Tor, das wir durchschreiten können, um zu mehr Integrität, Wissen und Weisheit zu gelangen. In allen schamanischen Traditionen wird Trauma als eine Möglichkeit der Initiation in eine andere Welt gesehen und gehört zum Lebenslauf aller Schamanen.

Eine geglückte Traumaintegration erkennt man daran, dass die Betroffenen:

  • mit angemessener Gefühlsbeteiligung über das Ereignis erzählen können
  • dabei nicht dissoziieren, d.h. mit sich verbunden bleiben und
  • nicht von Erinnerungen und Gefühlen überrollt werden, d.h. innerhalb des „Window of Tolerance“ (Toleranzfenster) bleiben
  • dem Geschehenen einen Platz in der Vergangenheit zuweisen können
  • dem Geschehenen einen Sinn geben können
  • nicht mehr von dem Geschehene kontrolliert zu werden, sondern wieder wählen zu können