Trauma und Zukunft

Jul 11

Wie Traumatisierungen Einfluss auf unsere Lebensplanung haben

Was hat Trauma mit deiner Zukunft zu tun? Diese Frage ist einfach zu beantworten, das weiß jeder und jede, die davon betroffen ist. Viel weniger bekannt ist, dass Trauma auch gravierende Folgen darauf hat, wie wir in die Zukunft denken und planen können.

Dieser Blogpost ist auf Grund eines Wunsches einer Leserin entstanden, die nicht verstehen konnte, warum es ihr so schwer fällt etwas zu planen und dies dann auch zu machen. Vielen Betroffenen fällt es bereits schwer, sich die nächste Woche vorzustellen, geschweige denn Monate oder das Jahr im Voraus zu planen. Sehr oft entsteht dadurch noch mehr Selbstabwertung und Unverständnis, doch auch das Umfeld kann dies meist nicht verstehen und reagiert entsprechend.

Übererregung hindert an Planung

Du musst dir vorstellen, dass Menschen die unter den Folgen von Trauma leiden, egal ob Schocktrauma oder Entwicklungstrauma, in einem permanenten Zustand der Übererregung gefangen sind - abgelöst von Kollaps und Dissoziation. Übererregung bedeutet, dass man ständig im Kampf und Flucht Modus ist und wer interessiert sich in einem körperlichen Zustand von akuter Gefahr schon für die Planung des Morgen.

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In diesem Video versuche ich dies zu erklären und hoffe, dass es dir hilft dich besser zu verstehen und milder mit dir zu sein!

Trauma und Zukunft

Hallo, ich bin Dami Charf und das ist mein Blog traumaheilung.de. Ich freue mich, dass Du da bist. Heute möchte ich etwas aufgreifen, um das ich gebeten worden bin, nämlich Trauma und die eigene Zukunft.

Im Überlebensmodus ist der morgige Tag nicht interessant

Ganz viele Menschen mit Traumatisierung, egal ob Entwicklungs- oder Schocktrauma, stellen fest, dass es ihnen schwerfällt, in die Zukunft zu denken und zu planen. Ich möchte Dir mitteilen, dass das unter diesen Umständen normal ist. Es ist einfach so, dass wir, wenn wir in dieser chronischen Übererregung sind, ständig im Kampf- und Fluchtmodus sind, und wenn Du Dir vorstellst, dass gerade ein Tiger auf Dich zukommt, dann ist Zukunftsplanung das Letzte, was Dich interessiert.

Je höher die innere Erregung, desto geringer die Kapazität für Zukunft

Das heißt, wenn wir ständig mit dem Modus „Gefahr in Verzug“ in der Welt sind, dann verlieren wir den Blick in die Zukunft. So einfach ist die Erklärung letztendlich. Je höher ich in der Erregung bin und je mehr Flucht und Kampf, desto weniger habe ich Kapazitäten frei, um in die Zukunft zu schauen. Dasselbe gilt natürlich auch, wenn ich in die Untererregung falle, in die Dissoziation, oder mich nicht mehr spüre, in dem Fall habe ich auch keinen Blick für die Zukunft übrig.

Die Erwartung von Gefahr

Das heißt, je traumatisierter ein Mensch ist, desto mehr schrumpft die Perspektive. Die Perspektive ist ständig auf etwas gerichtet, das wirkt wie das Hier und Jetzt, es aber nicht ist. Das ist das Problem, wir blicken ständig mit dem Filter der Vergangenheit auf heute; ich schaue also nicht wirklich ins Heute, sondern ich schaue mit der Erwartung der Gefahr auf das Heute. Wir wollen ja gar nicht verrückt sein. Das Problem ist nur, wenn ich eigentlich schon im Flucht- und Kampfmodus bin, und immer mit der Erwartung von Gefahr in die Welt schaue, dann suche ich nach einer Bestätigung dafür, dass die Welt auch gefährlich ist, und die werde ich immer finden. Immer.

Unser Blick geht nach außen, wo er eigentlich nach innen gehen müsste

Das ist das Gefangene, das Dilemma darin. Es gibt den Begriff „kognitive Dissonanz“, die halten wir eben nicht aus. Eigentlich müssten wir nach Innen schauen, nach der Über- oder Untererregung in uns, und feststellen, dass wir das als Grundenergie haben, und uns deswegen unser Kopf sagt, wir müssen nach der Ursache für diese Energie suchen. Solange das so ist, bin ich gefangen im ständigen Suchen nach Gefahr. Ich bin nicht wirklich im Hier und Jetzt, denn dann würde ich mich umsehen und sagen, eigentlich ist gerade alles in Ordnung – das wäre wirklich eine Orientierung im Hier und Jetzt.

Wenn es früher furchtbar war, wird es auch morgen so sein

Das jedenfalls macht wohl verständlich, warum ich dann keine Zukunftsplanung habe. Je traumatisierter ich bin, desto mehr schrumpft die Zukunftsperspektive auf die Gegenwartsbewältigung. Wir sind gefangen in einer negativen Vergangenheit und projizieren diese in die nahe Zukunft. Wir gehen davon aus, es war beschissen, also wird es beschissen sein. In diesen Erwartungen sind Menschen dann oft gefangen und sehen sich darin leider auch bestätigt. Das ist ein Drama in sich, aber es ist normal, nicht in die Zukunft planen zu können.

Je mehr du dich regulieren lernst, desto mehr wird die Zukunft auftauchen

Wenn Du anfängst, Dich wieder besser regulieren zu können, wieder mehr in Dir zu landen, dann wirst Du merken, dass Du plötzlich Tage planen kannst, Wochen, und irgendwann Monate und auch die nächsten ein, zwei Jahre. Was Du ganz konkret üben kannst, wenn Du Dich damit beschäftigen willst, ist, Dir etwas für morgen in den Kalender zu schreiben und das auch zu tun. Am Anfang wirklich Kleinigkeiten, Du willst sozusagen unbedingt ein Erfolgserlebnis haben, sodass überhaupt einmal eine Verknüpfung kommt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Planen und Erreichen.

Das ist leider der zweite große Punkt, der durch Trauma oft beschränkt ist, unser Gefühl für Selbstwirksamkeit. Das Gefühl ist oft: egal, ob ich etwas tue oder in China ein Sack Reis umfällt. Und um das wieder ein bisschen zu trainieren, kann ich mir kleine Dinge vornehmen, die ich dann tue, von Tag zu Tag, von Kalendereintrag zu Kalendereintrag – aber Du musst es schriftlich machen, das ist ganz wichtig. Schriftlich aufschreiben, was Du tun willst, und abends schriftlich abhaken, nicht nur im Kopf, sonst hat das viel weniger Wirkung.

Selbstregulation ist der Schlüssel

Das für Dein Verständnis, warum es so schwer ist, in die Zukunft zu denken; das liegt daran, dass, wenn der Tiger vor mir steht, meine Zukunft in der Planung recht zweitrangig ist. Aber je mehr Du wieder zu Dir findest, je mehr Du die Erfahrung integrierst, je regulierter Du wirst, je mehr Du ins Window of Tolerance kommst, desto mehr wirst Du merken, dass die Welt sich wieder ausweitet. Das kann sich durchaus verändern, das habe ich selbst erfahren. Die Planung, die ich mittlerweile mache, wäre vor zehn Jahren unvorstellbar gewesen. Es gibt also Möglichkeiten, wieder zu landen.

Das war’s für heute, ich hoffe, es hat Dir etwas gebracht. Ich freue mich, wenn Du das nächste Mal wieder dabei bist, wenn Du zum Beispiel diesen Kanal abonnierst oder Dich auf meiner Seite einträgst, da kriegst Du eine ganze Videoserie gratis zum Thema Trauma. Auch mache ich zweimal im Jahr einen begleiteten Onlinekurs, für den ich schon viel Lob bekommen habe, der schon vielen Leuten etwas gebracht hat, dafür kannst Du Dich auch auf meiner Seite eintragen. Ansonsten bis demnächst, tschüs, Dami.