Trauma und Nähe und Vertrauen

Okt 27

​Wie Trauma unser Verhältnis zu Nähe und Vertrauen prägt

Nähe und Vertrauen gehören untrennbar zusammen. Nähe zu anderen Menschen ist uns nicht möglich, wenn wir nicht Vertrauen zu diesen Menschen haben. Sobald wir innerlich auf Hab Acht sind, können wir kaum wirklich loslassen und uns in der Gegenwart anderer entspannen.

Leider führt dies oft auch dazu, dass wir praktisch schon das "Fehlverhalten" des Anderen erwarten und, wie bei allem das man fest erwartet - wir werden es finden.

Unsere Kapazität für Nähe bildet sich sehr früh in unserem Leben und unser Grundvertrauen in die Welt und andere Menschen auch. Viele Forscher gehen davon aus, dass unsere Geburt schon einer der prägendsten Momente für  Bindung, Sicherheit und Vertrauen ist.

In diesem Video spreche ich über meine Erfahrungen mit diesen wichtigen Themen und ihren Zusammenhang mit Trauma.

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Schau dir einfach das Video an.

Trauma und Nähe und Vertrauen

Hallo, ich bin Dami Charf, ich freue mich, dass Du hier bist. Du bist hier beim Blog Traumaheilung und heute möchte ich gerne etwas über das Thema Nähe und Vertrauen sagen.

Wie kann ich denn noch jemandem Vertrauen?

Nähe und Vertrauen, das sind für Menschen mit Traumatisierung oft sehr schwierige Wörter und eine noch viel schwierigere Umsetzung dieser Wörter ins Leben. Ich werde immer wieder gefragt: „Wie kann ich überhaupt noch irgendjemandem vertrauen, wie kann ich das lernen?“ Deswegen möchte ich Dir gerne ein bisschen darüber erzählen, was Vertrauen und Nähe meiner Meinung nach überhaupt sind, weil da viele Erwartungen im Raum an andere Menschen sind, viele Erwartungen, wie etwas sein soll. Das steht uns oft im Weg, um wieder mehr in die Welt zu gehen.

Mangelndes Vertrauen macht einsam

Wenn Du mal gelernt hast, dass Du eigentlich alleine bist, und in meinem Blog spreche ich bereits über das Thema Einsamkeit, und Du gelernt hast, Du warst nie willkommen, und das Gefühl hast, zwischen Dir und der Welt ist immer ein Abstand, eine Glaswand, durch die Du einfach nicht durchkommst, dann ist das natürlich eine sehr schwierige Voraussetzung für Nähe und auch eine sehr schwierige Voraussetzung für Vertrauen.

Nur weil die Menschen, die uns nah waren uns verraten haben, heißt das nicht, dass alle Menschen schlecht sind

 Wir haben irgendwann mal gelernt, dass die Menschen, denen wir am meisten vertraut haben, uns nicht guttun oder gutgetan haben. Das Problem ist, dass wir dieses Muster, diese Blaupause, die wir in unserem Kopf haben, einfach weiter anwenden. Ich wiederhole mich da, das weiß ich, aber wenn ich annehme, dass Menschen mich enttäuschen werden, werden sie es tun. Immer. So sicher wie das Amen in der Kirche.

Wenn ein anderer Mensch von Dir erwartet, dass Du ihn oder sie irgendwann enttäuschen wirst – Du wirst es tun, so ist das Leben. Weil wir einfach unterschiedlich sind, weil wir unterschiedliche Bedürfnisse haben, uns unterschiedlich verhalten, weil wir nicht immer gut drauf sind, weil wir manchmal nicht achtsam sind. Wir sind nicht immer empathisch. Und schon ist es passiert, dass das für Dich eine Katastrophe ist und ich es vielleicht nicht einmal gemerkt habe.

Die Erwartung ist stärker als die Realität

Das heißt, wir haben einfach, sobald wir diese Blaupause auf die Welt anlegen, die Erwartung, enttäuscht zu werden, und werden auch enttäuscht. Das ist ganz wichtig zu verstehen: Nicht die Welt ist immer so, wie ich sie sehe oder annehme, die Welt bestätigt meine Erwartungen. Das ist mittlerweile auch neurowissenschaftlich absolut und total erwiesen, dass wir nicht die Realität sehen, sondern unsere Erwartungen. Es kann sein, dass Menschen auf uns zugehen und uns die Hand reichen und wir nehmen es nicht wahr und schwören Stein und Bein, dass es nie passiert ist. So laufen wir uns selbst in die Falle. Das Erste, was wir tun müssen, ist also, uns zu fragen: Könnte ich das auch anders interpretieren, was die Person da macht?

Vertrauen ist ein Verb

Das andere ist: Vertrauen ist ein Verb. Nicht Du musst mir beweisen, vertrauenswürdig zu sein. Sondern ich muss Dir vertrauen und dann schaue ich, was passiert. Du bekommst erst einmal einen Vertrauensvorschuss von mir und dann lerne ich Dich kennen und sehe, wie weit das mit uns kompatibel ist und wie weit ich dir vertrauen kann. Wenn ich dann lerne, dass das nicht funktioniert, muss ich klären, ob es da Missverständnisse gibt oder eine falsche Erwartung. Ich schaue sozusagen, wo der Mismatch ist, wo ich mit einer Erwartung an Dich rangehe, die offensichtlich nicht stimmig ist – ich überprüfe den Prozess.

Beziehungen wachsen langsam

Das andere, das wichtig ist, ist, dass Vertrauen etwas ist, das ich einerseits gebe, und andererseits etwas, das wachsen muss. Das heißt, wir machen Schritte. Ich stürze nicht mit der Tür ins Haus, erzähle Dir mein Leben und bin dann enttäuscht, dass Du nicht so empathisch reagierst, wie ich es gerne hätte, sondern ich erzähle Dir ein bisschen und schaue, was passiert, was für ein Dialog daraus entsteht, und dann erzähle ich Dir das nächste Mal vielleicht ein bisschen mehr und wir lernen uns kennen. Dieser Prozess, der des Näheaufbauens, des Vertiefens, das ist etwas, das viele Menschen gerade mit Bindungs- oder Entwicklungstrauma oft nicht gut können. Die fallen mit der Tür ins Haus und wundern sich dann, warum viele Menschen sagen, das ist ihnen zu viel, und zurückrudern. Dann sind sie wieder enttäuscht und das Leben hat bestätigt, dass man anderen Menschen nicht trauen kann und dass sie einen sowieso immer verlassen.

Welches Feedback bekomme ich auf mein Verhalten

Wir müssen also immer schauen: Welchen Anteil habe ich selbst, und es geht mir überhaupt nicht um Schuld, sondern welchen Anteil habe ich in meinem Verhalten, was in Deinem Verhalten eine bestimmte Resonanz gibt. Da gilt es zu lernen und zu justieren. Wenn wir Nähe wollen, dann ist das etwas, das wir fühlen müssen, und das ohnehin sehr schwer ist, für alle Menschen. Nähe macht mich verletzlich, berührbar, das ist etwas, wo sich ein Raum zwischen zwei oder mehreren Menschen öffnet, der langsam und behutsam hergestellt werden möchte, wo man gemeinsam schaut, was geht. Ich kann nur eine Tür aufmachen und dann schauen, ob Du mit mir durch diese Tür gehst. Und wenn Du es nicht tust, tust Du es nicht, daran kann ich nicht viel ändern.

Neugier hilft auch hier zu lernen

Wir müssen also schauen: Wie aktiv kann ich diesen Prozess zu mir nehmen? Wie kann ich ausprobieren und üben? Was habe ich vor einer tollen Resonanz getan? Jetzt ist die Resonanz, dass sich jemand zurückzieht, was habe ich vorher getan? Und das wirklich frei von Schuld, weder zu mir noch von mir weg, sondern den Prozess neugierig beobachten.

Wir sind alle von partieller Blindheit geschlagen

Das ist am Anfang komisch, da wir immer nur die Reaktion auf uns sehen. Wir sind oft blind dafür, was wir selbst gerade getan haben. Das ist normal so, das geht allen Menschen so. Aber je mehr Du schauen kannst, wie das Spiel zwischen uns ist, desto besser wird das klappen. Das ist eine Übung, und für die von uns, die das nie gelernt haben als Kinder, ist es eine lange Übung – aber man kann es üben. Sobald man das sieht als „ich muss es können“ oder „ich kann‘s nicht“, funktioniert oder funktioniert nicht, schwarz oder weiß, ist man verloren, immer.  Das heißt, wirklich üben, neugierig werden, wie das funktioniert. Und vor allem: langsamer werden. Langsamer werden im Kontakte eingehen, erst mal sehen, was geht.

Auch das heute wieder als Anregung für Dich, vielleicht kannst Du etwas damit anfangen. Wenn Du möchtest, kannst Du auf meine Seite gehen, Dich dort für meine Videoserie eintragen und das eBook „Trauma verstehen“ und bekommst auch Bescheid, wenn der nächste Online-Selbsthilfekurs „Mit Trauma leben“ startet. Ich danke Dir fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal, ciao, Dami.

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