Sep 11

Wie Trauma zu Einsamkeit führt

Fühlst du dich oft einsam, obwohl du unter Menschen bist?
Menschen mit einer traumatischen Geschichte, egal ob Schocktrauma oder Entwicklungstrauma haben oft das Gefühl tief innen einsam und fast unberührbar zu sein. Als wäre etwas weggeschlossen und man hat sogar selbst den Schlüssel verloren.

Trauma macht aus verschiedenen Gründen einsam. Zum einen kann es sein, dass man etwas fast unaussprechliches erlebt hat und immer denkt "das kann niemand nachfühlen oder verstehen".

Zum anderen machen sehr frühe Verletzungen einsam. Man hat das Gefühl hinter einer Glasscheibe zu sitzen und den anderen beim Leben zu zuschauen. Das ist ein schreckliches Gefühl und es ist entstanden, weil wir ganz früh - womöglich schon vor unserer Geburt - nicht wirklich willkommen waren. Oder unsere Eltern unfähig waren uns dieses Willkommen zu geben.

Wenn ganz frühe Erfahrungen uns gezeigt haben, dass wir irgendwie falsch sein müssen oder irgendwie nicht passen, dann führt das zu diesen tiefen sprachlosen Einsamkeit. Niemand interessiert sich wirklich für uns und wir fangen an zu glauben, dass das für alle Menschen um uns herum gilt.

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In diesem Video geht es um diese Einsamkeit und ich versuche sie zu erklären....

Wie Trauma zu Einsamkeit führt

Hallo, ich bin Dami Charf und heute geht es um das Thema Einsamkeit, obwohl jemand anderes da ist.

Einsamkeit ist die Gefährtin von Trauma

Einsamkeit ist meiner Meinung nach ein Wegbegleiter von fast jeder Art von Trauma, egal ob das ein Schocktrauma oder ein Entwicklungstrauma ist. Einsamkeit ist eine der Folgen, über die kaum gesprochen wird, und sie entsteht dadurch, dass es etwas in uns gibt, das wir oftmals nicht wirklich in Kontakt bringen können, weil etwas in uns verschlossen ist, fast wie vor uns selbst.

Niemand versteht mich

Das ist das Eine, was zu dieser Einsamkeit beiträgt, dass man das Gefühl hat, niemand versteht einen richtig, oder etwas ist so schrecklich, dass es mich von anderen trennt. Davon ist ein Teil bestimmt auch wahr für viele Menschen, und ein Teil ist fast wie ein Muster, ein Vorurteil, das wir irgendwann mitnehmen in unser Leben, weil wir früher so wenig gesehen worden sind in unserem Leid, und so wenig Schutz bekommen haben, dass wir heute denken, niemand kann uns wirklich verstehen.

Kann ich mich zumuten?

Deswegen probieren wir oft gar nicht aus, uns das zuzumuten, und ich sehe in meiner eigenen Geschichte immer wieder das Gefühl, ich kann mich niemandem zumuten und niemand hält mich aus. Der Fehler, den wir in unserem Denken oft machen, ist der, dass es gar nicht darum geht, ganz vielen Menschen detailgetreu zu erzählen, was passiert ist oder was uns wiederfahren ist. Es geht eigentlich darum, sich anzuvertrauen und zuzumuten mit den Gefühlen, die man heute hat, vielleicht mit dem Gefühl der Verzweiflung und eben der Einsamkeit. Diese Gefühle sind durchaus für andere Menschen auszuhalten. Das sind natürlich besondere Menschen, das ist nicht jeder, das ist total klar, das macht man nicht beim Kaffeetrinken, aber überhaupt den Mut zu haben, sich anderen wieder zuzumuten. (Ich kann das gar nicht anders beschreiben, aber ich glaube, du wirst wissen, was ich meine.)

Wenn ich nie landen durfte

Das ist ein Aspekt, der uns einsam macht, wenn wir uns nicht mehr trauen, uns zu zeigen, wie wir sind, und den Schmerz, der in uns ist. Der andere Aspekt ist, dass Einsamkeit auch dadurch in uns entsteht, eine tiefe Einsamkeit, weil wir uns einfach nie gefühlt gefühlt haben. Da war nie jemand da, niemand hat sich je wirklich bemüht, uns zu sehen, wie wir wirklich sind, oder bei uns zu sein, uns die Hand zu halten, uns Zeit zu geben, überhaupt bei uns selbst zu landen, und das eben oft von frühester Kindheit an. Manche von uns sind schon direkt nach der oder sogar vor der Geburt nicht gelandet und gewollt gewesen. Dieses Gefühl, nicht landen zu dürfen, einfach keine Heimat zu finden, das macht wahnsinnig einsam und ist eines der schrecklichsten Gefühle, die es gibt, weil es sich so unerlösbar anfühlt – das ist manchmal, als hätte man eine Markierung, und man kriegt es einfach nicht hin, da herauszukommen.

Gemeinsam einsam

Was ich leider oft erlebe, ist, dass Menschen diese Einsamkeit behalten, auch wenn man neben ihnen sitzt, ihnen die Hand hält, da ist und wirklich auf sie schaut. Trotzdem ist da das Gefühl, ich bin einsam. Und die Erkenntnis, dass diese Einsamkeit nicht einfach vergeht, weil da jemand ist, ist erst einmal hart und schmerzhaft. Der Weg da heraus ist, sich immer mehr zu trauen, bewusst zu sehen und wahrzunehmen, da ist jemand, da ist eine Hand, die ich jetzt halte, heute ist jemand da, heute fühle ich jemanden. Wenn wir anfangen, das zuzulassen, diese Hand zu fühlen, zu fühlen, da ist jemand, dann geht es uns leider nicht ad hoc besser, das ist das Tragische daran, sondern dann wird es eigentlich erst richtig schmerzhaft. Denn erst im Kontakt mit anderen können wir spüren, wie einsam wir wirklich waren, womöglich unser ganzes Leben lang.

Nach dem Schmerz und der Trauer wird der Himmel blauer

Trotzdem kann ich Dich wirklich nur ermutigen, durch diesen Schmerz zu gehen, denn der andere Schmerz ist so endlos, dieser aber endlich, weil dann die Wunde von früher heilen kann. Das klingt banal, ist es aber gar nicht – bewusst zu spüren, da ist jetzt jemand, da interessiert sich jemand für mich, da sitzt jemand neben mir, oder auch körperlich jemanden spüren zu dürfen, der nichts von Dir will, sondern einfach nur da ist, und Du hast die Zeit, zu spüren, da ist jemand.

Trau dich eine Hand zu nehmen

Das ist meiner Erfahrung nach das Einzige, das uns wirklich langsam, Schritt für Schritt aus dieser tiefen Einsamkeit, die wir aus unserer Geschichte mitbringen, auf einen Weg hinaus in die Sonne führt, dahin, wo es warm ist. Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen, diesen Mut aufzubringen und Dich Stück für Stück zu trauen, Dich mehr zuzumuten und mal eine Hand zu nehmen und zu spüren, dass da jemand ist.

Ich hoffe, das ist eine Anregung für Dich und wir sehen uns beim nächsten Blog vielleicht wieder. Wenn Du magst, schreibe Dich auf meiner Seite ein, traumaheilung.de, da bekommst Du eine ganze Videoreihe, um Dich selbst und Trauma besser zu verstehen. Zweimal im Jahr mache ich auch einen begleiteten Onlinekurs dazu und Gruppen hier vor Ort in Göttingen, aber an Wochenenden, damit auch Leute von weiter weg herkommen können.

Ich wünsche Dir erst mal einen guten Tag und bis zum nächsten Mal, tschüs.

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