Wie 2020 ein besseres Jahr wird

Jan 10

​Hallo,
ich wünsche dir ein wunderbares Jahr 2020!

Ich hoffe, du bist gut über die Feiertage und in dieses neue Jahrzehnt gekommen. Dies ist ein langer Beitrag und ich möchte dir hier etwas Handwerkszeug geben, wie du dieses Jahr für dich zu einem besseren Jahr machen kannst.

Wir wünschen uns gegenseitig oft ein gutes neues Jahr, doch wie kann es wirklich ein gutes oder auf jeden Fall anderes/besseres Jahr werden? Das ist die Frage.

Ich möchte hier keine Neujahrsplattitüden verbreiten, dennoch ist es mir natürlich ein Anliegen, dir Mut zu machen, weiter zu gehen.

Du bist so weit gekommen und allein das beweist, wie stark du bist!

Für die meisten traumatisierten Menschen ist es ein Problem, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Das hat viel damit zu tun, dass man eigentlich nicht im „Lebensmodus“, sondern im „Über“-lebensmodus lebt. Wenn es statt um Lebendigkeit nur „um´s Überleben“ geht, ist es auch sehr schwierig, in die Zukunft zu schauen. Ist das Gefühl latenter Bedrohung ständiger Wegbegleiter oder das Gefühl eigener Wertlosigkeit, dann ist all meine Energie darauf gerichtet, mich zu verteidigen gegen die vermeintliche Bedrohung. Es bleibt kein Raum mehr für eine Zukunftsausrichtung.

Wie siehst du „Zukunft“?

Außerdem ist die Art und Weise wie wir „Zukunft“ sehen sehr unterschiedlich. Für manche ist die Zukunft der Ort der Träume und für andere ist die Zukunft eine Fortsetzung der Vergangenheit.
Wie erlebst du die Zukunft für dich?
Denkst du, dann wird alles besser oder neigst du dazu zu glauben, dass im Grunde doch alles so weiter geht wie bisher?
Beide Arten sind nicht sehr hilfreich. Bei der einen kann man sich zwar erträumen, dass alles besser wird, aber man bleibt meist im „Traummodus“. Bei der anderen Sichtweise mag man oft schon gar nichts Neues mehr probieren, da ja sowieso alles nicht funktioniert.

So torpedieren wir unser Leben mit den Überzeugungen, die wir haben. Meine Überzeugung war lange: „Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben...!“ Sehr oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein eigentlich freudiger Tag unschön endet. Also warum sich überhaupt freuen?
Es hat lange gedauert, bis ich diese Überzeugung überwinden konnte. Ich habe angefangen zu beobachten, ob diese Tatsache wirklich immer zutrifft. Und dem ist natürlich nicht so! So habe ich nach und nach gelernt, den Tag so zu genießen, wie er „ist“.

Deine Vergangenheit bestimmt nicht deine Zukunft!

Unser Gehirn zieht manches Mal Rückschlüsse und Annahmen, die mit Logik oder Wahrheit wenig zu tun haben. Eine davon ist z.B. dass, wenn etwas „schlecht gelaufen“ ist, dann wird es auch immer so weiter gehen und sich wiederholen.

Deine Vergangenheit beeinflusst dein Leben, das ist überhaupt keine Frage. Dennoch schreibt sie deine Zukunft nicht vor! Bitte vergiss das nicht.

Lass uns noch mal zur Anfangsfrage zurückkommen:
„Wie kannst du dieses Jahr anders oder sogar besser gestalten als das letzte“?
Auch, wenn du nicht gut in die Zukunft planen kannst.

Stelle dir doch einfach einmal folgende Frage: „Was möchtest du überhaupt?

  • „Möchtest entspannter werden“?
  • „Möchtest du nicht mehr so viel Angst haben“?
  • „Möchtest du mehr Freude empfinden“? etc.

Lass dir Zeit mit deinen Fragen und wenn du Antworten gefunden hast, schreibe zunächst auf, was du denkst und was es für dich braucht, damit dein Jahr ein gutes Jahr wird.

Mach diese Übung nicht nur im Kopf, schreibe bitte alles auf!
Wie willst du sonst am Ende des Jahres schauen, ob du dein Ziel erreicht hast?

Die nächste Frage, die du dir stellen kannst, ist:
„Woran würde ich erkennen und merken, dass ich mein Ziel erreicht habe oder ihm näher gekommen bin“? (wieder bitte alles schriftlich machen)

Wenn wir Ziele formulieren vergessen wir oft, uns damit zu beschäftigen, welche Fähigkeiten wir eigentlich brauchen, um diese zu erreichen.

​Sagen wir, du möchtest entspannter durch dein Leben gehen und nicht ständig „angetriggert“ werden.
Was würde das für dich bedeuten?
Ich nehme an, du hast schon einiges probiert?
Schreibe dir auch hier auf, was du schon probiert hast und auch – ganz ehrlich – wie lange du dies probiert hast.

Nun geht es darum, mehr darüber zu lernen, was Entspannung eigentlich für dich bedeutet. Welche Voraussetzungen braucht es, um dich wohl zu fühlen und zu entspannen?
Für mich würden da z.B. die folgenden Dinge zusammenkommen:

  • mich sicher fühlen
  • nicht so viel denken
  • Muskeln/Körper entspannen können

Und wieder stehen wir vor dem Problem, dass dies sehr globale Aussagen sind. Wir müssen nun schauen, welche Fähigkeiten hinter diesen Dingen stehen. Für mich wären dies:

  • mich wehren können
  • wissen, wo ich bin und im „Heute“ sein
  • mich in mir wohl fühlen und meinen Körper spüren – denn je mehr wir unseren Körper bewohnen, desto ruhiger wird der Kopf und: wie soll ich etwas entspannen können, wenn ich es nicht spüre?
  • mich emotional besser regulieren können

Jetzt wird es also konkreter und fassbarer.
Du könntest nun also beginnen, eine To Do Liste zu erstellen:

  1. einen Wendo Kurs (Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen) besuchen oder Kampfsport beginnen
  2. dich oft orientieren (das kannst du in meinem Kurs „Mit Trauma leben“ lernen oder bereits im dazugehörigen kostenfreien Schnupperkurs )
  3. auf deinen Atem achten. Dein Handy jede Stunde dich „wecken“ lassen, damit du dich orientierst und mehrmals tief ausatmest. Du lernst zu beobachten, wie du atmest und wann du die Luft anhälst.
  4. Du suchst dir Informationen zu Selbstregulation und lernst, dein soziales Nervensystem zu aktivieren, um dich selbst noch besser beruhigen zu können.
  5. Du kannst ein Dankbarkeitstagebuch führen, damit du lernst, die „guten Dinge“ besser wahrzunehmen (das entspannt nachweislich)

Diese Dinge (und bestimmt fallen dir noch mehr Möglichkeiten ein) versuchst du dann in deinem Alltag einzubauen. Es mögen Kleinigkeiten sein, aber du wirst merken: über die Zeit  wirken sie!

Hast du andere Pläne und Wünsche, dann gehe genauso vor. Nimm dir aber möglichst nicht mehr als 3 Projekte zur gleichen Zeit vor.
Und dann tu es!
Gib dir 3 Monate - erst danach schaust du nach Veränderungen und ob du sagen kannst, dass der Weg in die richtige Richtung führt. Bitte hör nicht auf, weil es dir womöglich erst einmal unangenehm ist.
Das ist der normale Weg: jede, wirklich jede Veränderung ist erst einmal unangenehm!

Und, ganz wichtig: Rechne mit Rückschlägen! Menschen, die nur positiv denken, kommen sehr viel schlechter an ihre Ziele, weil sie frustriert sind, wenn Hindernisse auftauchen und dann schnell das Handtuch werfen.
Am sinnvollsten ist es, dich auf mögliche Hindernisse vorzubereiten.
Was könnte schief gehen?
Schreibe es auf!

Zu guter Letzt suchst du dir eine Bild, ein Symbol für dein Ziel und hängst es irgendwo an die Wand – dort, wo du es immer und jeden Tag siehst.
Außerdem lobst du dich jedes Mal, wenn du etwas von den Dingen getan hast. Das fühlt sich zunächst äußerst befremdlich an. Tu es trotzdem.

Die meisten Dinge, die wir erreichen wollen, erfordern also bestimmte Fähigkeiten von uns. Deswegen funktionieren die meisten Ziele, die Menschen sich setzen, nicht. Sie haben nicht die Fähigkeiten, die es braucht, das Ziel zu erreichen.
Darüber wird es auch in meinem neuen Buch gehen, das – hoffentlich – im Herbst erscheint.

Ein Ziel ist eine schöne Sache, aber für die meisten Ziele müssen wir uns Fähigkeiten aneignen, die wir noch nicht haben. Sonst hätten wir unser Ziel ja schon längst erreicht... Wir bleiben ja schließlich nicht freiwillig an einer Stelle, an der wir leiden.

​Jeder neue Entwicklung in meinem Leben begann mit einer Sehnsucht und einem Traum, dass es mehr geben muss. Und über viele, viele, viele kleine Schritte hat es funktioniert. Deswegen bitte ich dich, glaub daran, dass das Leben sich verändern kann. Dass du dich verändern kannst! Es sind nicht die großen, sondern die kleinen Dinge, die wir oft wiederholen, die Veränderungen bringen.
Nicht der eine große Sprung, es sind die vielen kleinen Hopser.

Ich wünsche dir also ein wunderbares 2020 mit vielen kleinen Hopsern :- )
Und ich würde mich freuen, wenn ich dich weiter begleiten darf und dich mit meiner Arbeit in deinem Leben unterstützen kann.

Ganz herzliche Grüße,
Dami

P.S. Mitte Februar veranstalten wir einen Trauma-Onlinekongress. Alle Interviews sind immer 24 Stunden kostenfrei zu sehen. Du kannst dich hier dafür eintragen:
https://www.traumaheilung.de/onlinekongress-trauma-und-heilung/


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