Körperorient. Verfahren

Körperorientierte traumatherapeutische Verfahren

Körperorientierte Verfahren haben gemeinsam, dass sie von der Grundannahme und der praktischen Erfahrung ausgehen, dass Trauma im Körper gespeichert ist, zum Beispiel als nichtvollendete biologische Reaktion des Nervensystems. Deshalb kann ein rein kognitiver Zugang keine grundlegende Änderung der Lebenssituation bringen. Kurz: „Ohne Hinwendung zum Körper keine Traumaheilung“.

Wir stellen dir hier im Folgenden einige der wichtigsten körperorientierten Verfahren vor. Daneben ist natürlich jede körperorientierte Methode, die mit Achtsamkeit ausgeführt wird, eine Unterstützung im Prozess deiner Traumaheilung – egal ob du gerne schwimmen gehst oder ins Fitness-Studio oder lieber TaiChi, QiGiong, Yoga oder Pilates machst.

Traumasensible Tanz-Psychotherapie

Tanz-Psychotherapie (meist einfach kurz „Tanztherapie“ genannt) ist kein spezifisch traumatherapeutisches Verfahren. Sie kann dich jedoch unserer Erfahrung nach bei der Heilung von traumatischen Erfahrungen sehr unterstützen!

Es gibt sehr verschiedene tanztherapeutische Richtungen. Manche legen ihren Schwerpunkt auf den Ausdruck (von Erleben oder Gefühl), andere auf die differenzierte Wahrnehmung von Körperlichkeit. Hierzu gehört die körperorientierte Methode Heilende Kräfte im Tanz®, die mit ihrer sehr differenzierten Hinführung zum körperlichen Erleben viel Potential hat, den Bezug zu dir selber wieder neu zu gewinnen – und dir gleichzeitig Möglichkeiten an die Hand gibt, über die Bewegung aufkommende Themen zu bearbeiten.

Allen tanztherapeutischen Richtungen ist gemeinsam, dass die Freude an der Bewegung eine Ausweitung deiner Ressourcen bedeutet und deine Bewegung dich als selbstwirksam und handlungsmächtig erleben läßt.

Dieses Angebot findest du bei meiner Kollegin Luisa Duvenbeck

Somatische Emotionale Integration®

Somatische Emotionale Integration ist eine körperorientierte Psychotherapie, die sich auf die Arbeit mit Schocktrauma und Entwicklungstrauma spezialisiert hat. Der zentrale Eckpfeiler der therapeutischen Arbeit ist die Resonanzfähigkeit beim Therapeuten/der Therapeutin. Darunter werden die Fähigkeiten zur somatischen Spiegelung und zur rechtshemisphärischen Kommunikation verstanden. Diese Fähigkeiten der Therapeuten sollen es den Klienten ermöglichen in einen tieferen Kontakt mit sich selbst zu kommen und vor allem, den meist abgespaltenen/dissoziierten Körper wiederzuentdecken und zu spüren.

Die theoretischen Felder

Das Verständnis folgender theoretischer Felder ist für Somatische Emotionale Integration von besonderer Bedeutung:

  • Bindung
  • Frühe Entwicklung
  • Intersubjektivität
  • Rechtshemisphärische Kommunikation
  • Co-Regulation
  • Trauma
  • Die Polyvagale Theorie
  • Selbstregulation
  • Bedeutung von Grenzen: energetisch, personal, interpersonal, gesellschaftlich
  • Umgang mit Berührung
  • Verständnis der Repräsentationssysteme einer Person
  • Verständnis von Identität

Außerdem das Erkennen von Körpermustern und im Körper eingefrorenen Gefühlen und Erfahrungen. Dabei werden besonders die folgenden Entwicklungsschritte berücksichtigt:

  • Sein, Ankommen, Sicherheit
  • Bedürfnisse wahrnehmen und äußern, satt werden
  • Neugier, Unterstützung und Autonomie
  • Wille und Kraft, Grenzen, Vertrauen
  • Leistung und Anerkennung, Liebe und Sexualität

In der therapeutischen Arbeit wird großen Wert auf Langsamkeit und Integration gelegt. Emotionen werden im Körper geerdet, damit sie nicht kathartisch werden und die Klienten in ihrer Integrationsfähigkeit überfordern.

Um Klienten diese Prozesse der Reassoziation mit sich selbst, anderen Menschen und der Erde zu ermöglichen, ist es notwendig, dass der Therapeut lernt, mit den Klienten eine echte Verbindung einzugehen und ihnen echten, auf Gegenseitigkeit beruhenden Kontakt anbieten kann.

Kontakt und Berührung im therapeutischen Prozess

Gerade Menschen mit sog. Frühstörungen erleben Psychotherapeuten, die lediglich in ihrer Funktion und ihrer Rolle in Kontakt gehen, als unecht. Sie wiederholen die traumatische Erfahrung des Nicht-Kontaktes, den sie aus frühester Kindheit schon kennen.

Diese Form der therapeutischen Arbeit erfordert ein hohes Maß an Selbstreflexion und die Fähigkeit zu dreifacher Aufmerksamkeit im Therapeuten/der Therapeutin:

  1. sich selbst spüren und evtl. Trigger und Gegenübertragungen wahrnehmen
  2. die andere Person fühlen und von sich selbst unterscheiden können
  3. den Prozess führen und die Metaebene halten

Die Arbeit mit Trauma braucht eine besondere Form der Nähe und der Distanz zum Klienten, in der dieser lernen, kann sich wieder zu fühlen und Kontakt aufzunehmen, ohne überwältigt oder alleine gelassen zu werden. Eine Form des Kontaktes in Somatischer Emotionaler Integration ist die Arbeit mit Berührung, wenn diese angebracht und angemessen ist.

Gerade für die Arbeit mit frühen Traumatisierungen ist es wichtig, die Kunst der therapeutischen Berührung zu beherrschen. Diese sollte möglichst intentionsfrei und energetisch abgegrenzt sein. Je weniger ein Mensch in den ersten Jahren positive Berührung erlebt hat, desto weniger mag dieser im Normalfall Berührung als Erwachsener. Dadurch fehlt ihm/ihr eine wesentliche Regulationsquelle bei emotionalem Aufruhr oder Stress. Ein Anliegen von Somatischer Emotionaler Integration ist es, Menschen die Chance zu geben, dies nachzulernen.

Die Arbeit mit Schocktrauma

Bei der Arbeit mit Schocktrauma lernt der Therapeut, die im Körper festgehaltene Energie des Schocks langsam aus dem Körper zu entlassen. Dabei nutzt Somatische Emotionale Integration die evolutionäre Fähigkeit des Körpers mit Trauma umzugehen.

Die bei einer Überwältigung eingefrorenen Reflexe von Orientierung, Flucht und Kampf sollen dabei wieder re-etabliert werden, damit sie den Klienten später zur Verfügung stehen. Diese Reflexe sind ein wesentlicher Teil unseres Lebens, die es uns auch in unserem Alltag ermöglichen unser Leben selbstwirksam und erfolgreich zu gestalten.

Klienten werden bei der Arbeit mit Schocktrauma so angeleitet, dass sie das Trauma emotional nicht noch einmal erleben müssen. Sehr häufig trifft man bei der Arbeit mit Schocktrauma allerdings auf die Schwierigkeiten von Klienten sich selbst zu spüren oder gar die Kontrolle an den Körper abzugeben, deshalb ist für Somatische Emotionale Integration die Trennung von Schock- und Entwicklungstrauma eine rein theoretische. Im fachlichen Arbeitsfeld wird man fast immer auf Menschen treffen, die von beiden Themen betroffen sind.

Integration

Die Integration, der mit dem Trauma zusammenhängenden Gefühle, genauso wie die durch die Traumata entstandenen Glaubenssysteme, gehören nach Abschluss der Arbeit mit dem Schock zur vollständigen Integration dazu. Dies ist unbedingt notwendig, da man ein Trauma bearbeiten kann, aber dennoch die dazugehörigen Glaubenssysteme und Emotionen aktiv bleiben können und die Klienten weiter an einem zufriedenen Leben hindern.

Insbesondere bleibt das Bindungsverhalten von der Auflösung einer Traumatisierung unberührt. Deshalb ist die Aufhebung der künstlichen Trennung zwischen Psychotherapie und Traumapsychotherapie so wichtig für unsere Klienten und die Arbeit mit Kontakt und das Wiedererlernen von Bindungsfähigkeit für die Somatische Emotionale Integration ein so zentraler Bestandteil.

Sensomotoric Psychotherapy

Pat Ogden und Team haben eine Methode entwickelt, die die traditionellen therapeutischen Modelle des Ausdrückens und Formulierens (in sogenanntem „Top-Down“-Prinzip) um sogenannte „Bottom-Up“-Interventionen erweitert, die sich auf die wiederholenden, unerwünschten körperlichen Empfindungen, Störungen der Bewegungsfähigkeit und somatosensorischen Intrusionen beziehen, welche für unaufgelöste Traumata charakteristisch sind. Sensomotorische Therapie legt einen starken Schwerpunkt auf die Erfahrungen im gegenwärtigen Augenblick, auf die Orientierung, sowie das beendende Ausführen von Handlungen, die zum Zeitpunkt des überwältigenden Ereignisses nicht zu Ende geführt werden konnten.
Leider in Deutschland kaum verbreitet.

Bodynamic

Die von Lisbeth Marcher „Bodynamic – somatische Entwicklungspsychologie und Psychotherapie“ integriert Untersuchungsergebnisse aus den Bereichen der psychomotorischen Entwicklung von Kindern, der Kognitiven- und Tiefenpsychologie, und der Hirnforschung.

Besonderheit der Bodynamic-Therapie ist, dass der Zustand jedes einzelnen Muskels im Körper der/des Klient/in mit in den therapeutischen Prozess einbezogen wird. Basierend auf einer 30 Jahre langen Studie wurde die psychologische Funktion jedes einzelnen Muskels erforscht. Eine grundlegende Prämisse des Bodynamic Ansatz ist, das die (chronische) Anspannung von Muskeln dem Kind hilft, mit schmerzlichen Emotionen im Laufe der kindlichen Entwicklung umzugehen. Daraus entwickeln sich im Laufe des kindlichen Aufwachsens bestimmte Charakterstrukturen. Die Therapie besteht u.a. darin, Ressourcen zu aktivieren und altersspezifische Bewegungen zu üben, die die Muskeln einer bestimmten Entwicklungsphase aktivieren. Dabei werden hypotone („schlaffe“) Muskelgruppen aktiver und hypertone (chronisch zu angespannte) Muskeln verlieren ihr Zuviel an Spannung – was ein Bewusstsein um die eigene Stärke hervorholt und die Möglichkeit, sich freier und adäquater im aktuellen Leben zu bewegen.

Mehr unter www.bodynamic.de

Integrative Traumaheilung

Johannes B. Schmidt legt seinen Fokus sowohl auf Entwicklungstrauma und Schocktrauma und auf die resultierenden dysregulierten inneren Zuständen in uns selbst. Wie können wir uns von uns selbst und von anderen „gefühlt fühlen“ und welche heilsamen Auswirkungen auf das Nervensystem und die belastenden Symptome hat das? Und welche Steuerungsmöglichkeiten autonomer (Selbst-)Regulation im Nervensystem gibt es? Daraus ergeben sich neue Kontaktmöglichkeiten und es öffnen sich neue Dimensionen von Lebensqualität.

Mehr findest du unter: http://www.aptitude-academy.com/

TRE – Tension and Trauma Releasing Exercises

Diese von David Berceli entwickelte Selbsthilfe-Übungsreihe besteht aus sieben verschiedene Muskelgruppen ansprechenden Übungen, bei denen ein sanftes neurogenes Zittern hervorgerufen wird. Das Zittern soll traumatische Spannung lösen.

Die Methode wurde entwickelt u.a. für die Arbeit mit großen Gruppen – läßt jedoch unserer Meinung nach den heilsamen Aspekt von Beziehung ausser acht. Außerdem ist meiner Meinung nach die hier durch Stresspositionen erreichte Reaktion, die mit Zittern und straken Emotionen einhergeht nicht vergleichbar mir den in anderen Körperorientierten Traumaverfahren. Ich persönlich rate von dieser Arbeit ab. TRE stammt aus der Bioenergetik und ist meiner Meinung nach das gleiche in neuer Verpackung. Auf jeden Fall solltest du die Übungen nicht einfach zu Hause machen!

SE – Somatic Experiencing®

Einer der ersten, der die Erfahrung, dass Trauma eine unvollständige Reaktion des Nervensystems ist, als Methode zusammengefasst hat, war Peter Levine (siehe sein Buch „Das Erwachen des Tigers“). Er hat damit sehr zu einer „Ent-Psychologisierung“ von Trauma beigetragen. Seine Arbeit SE ist eine reine Schocktrauma Arbeit und stellt die Arbeit mit dem Nervensystem in den Vordergrund. Solltest du noch andere Hintergründe haben, so brauchst du auf jeden Fall einen Therapeuten, der sich auch mit Entwicklungstrauma auskennt!