Der Umgang mit Wut

Jul 08

Der Umgang mit Wut ist für viele Betroffen von Trauma ein sehr schwieriger.

Entweder wird die Wut sehr unterdrückt, weil man auf keinen Fall so sein will, wie die Person, die einem geschadet hat oder die Wut bricht an Stellen hervor, wo man anderen Menschen weh tut und sie nicht angemessen ist.

In diesem Video versuche ich zu beschreiben, was man mit Wut machen kann und warum traumatische Wut eine besondere Form der Wut ist.

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Umgang mit Wut

Für viele Menschen mit einer Traumageschichte ist Wut ein wichtiges Thema. Wie kann ich mit Wut umgehen? Darf ich sie haben? Wie komme ich an sie heran? Heute möchte ich dir etwas Orientierung geben, wie du damit umgehen kannst.

Zunächst einmal tragen alle, die eine Traumageschichte haben, Wut in sich. Das ist auch logisch, weil ein Trauma etwas ist, wo mir etwas zu viel war, wo ich mich eigentlich hätte wehren wollen, aber nicht konnte.

Der Körper macht sich in der Situation bereit, zuzuschlagen oder weg zu laufen, aber dieser Impuls ist überwältigt worden, weil es zu schnell war oder jemand war zu stark. Ich konnte den Impuls nicht ausleben, aber der Körper merkt sich diese Energie. Er sitzt weiter auf dieser Energie, die für das Überleben bereitgestellt wurde. Sie wird im Körper eingefroren.

Stell dir vor, du beobachtest einen Tiger, der sich anpirscht und kurz vor dem Sprung ist. Wenn in diesem Moment der Sprung eingefroren würde mit der gesamten Energie, die das Tier in diesem Moment hat, kannst du dir vorstellen, wie viel Energie im Körper gehalten wird.

Heute wird davon ausgegangen, dass diese gehaltene Energie zu den Symptomen und Traumafolgen führt, weil der Körper so viel Energie im System nicht managen kann. Er versucht mit dieser im Nervensystem eingefrorenen Energie umzugehen.

Aus diesem Grund sitzt man auf dieser Wut, dieser Überlebenswut. Sie ist ziemlich groß und kann sehr beängstigend sein.

Was ist Rage?

Menschen, die sehr frühe Traumatisierungen erlebten, wie z.B. eine schwere Geburt, Komplikationen danach, Ablehnung, Vernachlässigung, sitzen nicht nur auf Wut, sondern oft auf Rage.

Rage ist mehr instinkthaft als Wut. Sie hat etwas Zerstörerisches, wie eine Vernichtungsenergie, die man in sich zu trägt. Rage wird oft sehr stark festgehalten, weil die Angst groß ist, jemand stirbt, wenn sie durchbricht. Man explodiert wie ein Atomkraftwerk und es gibt nur noch Leichen.

Dies ist ein Unterschied, zu dem, was Menschen, die mit diesen Themen nichts zu tun haben, unter Wut verstehen.

Grenzen setzen – mit Hilfe von Wut

Es ist wichtig, diese Rage überhaupt für mich selbst zu verstehen. Es ist normal, wenn ein Baby mit all seiner Lebendigkeit zurückgewiesen wird, dass die Lebendigkeit umgewandelt wird, in diese tiefe Wut in dieser Welt nicht ankommen zu dürfen. Diese Wut ist eine sehr starke Energie, die vom Gefühl her für viele Betroffene wie in einem inneren Kern gehalten wird. Sie befindet sich nicht im Körper, sondern ist noch weiter nach innen gezogen.

Für mein Verständnis von Wut gehört die Wut nie zu einer Person. Die meisten Personen können überhaupt nichts dafür. Wir werden zum größten Teil wirklich nur wütend auf unsere eigene Interpretation von einer Situation. Selten ist das gerechtfertigt. Es sei denn, jemand will mir wirklich an den Kragen oder ist richtig bösartig zu mir. In diesem Fall ist es gerechtfertigt die Wut als Grenze einzusetzen.

Es gibt einen großen Unterschied, ob ich die Wut zu dir hinbringe oder ob ich sie benutze, um für mich eine Grenze zu setzen, um deutlich zu machen, bis hierher und nicht weiter. Das sind unterschiedliche Möglichkeiten mit Wut umzugehen.

Ich kann wütend sein, meine ganze Energie einsetzen und trotzdem höflich bleiben. Wut hat nichts damit zutun, jemand verletzen zu müssen. Wut ist dazu da, eine Grenze ziehen, mich abzugrenzen, meinen Raum zu verteidigen und Stopp zu sagen. Das kann ich ganz höflich machen und trotzdem sehr viel Energie dabei haben, so dass mein Gegenüber genau weiß, hier ist wirklich Schicht im Schacht. Wut ist nicht dafür da, auf jemanden gerichtet zu werden, um denjenigen zu verletzen oder zu demütigen.

Was kann ich tun, wenn ich wütend bin

Wenn in einer Situation soviel Wut da ist, geh raus, beiß dir auf die Zunge, tritt gegen die Hauswand, renn um den Block, bis du wieder reagieren kannst und wieder in einem Rahmen bleiben kannst, der für die Beziehung mit der Person, um die es geht, angemessen ist. Gleichzeitig geht es darum, diese Wut nicht immer nur zu deckeln und sie nicht zu spüren. Wut ist in erster Linie Energie.

Die Wut in den Körper bringen

Wenn du wütend bist oder dir vorstellst wütend zu sein, fühle diese Energie und atme weiter. Stell dir vor diese Energie darf sich in dir, in deinem ganzen Körper verteilen.

Probiere langsam aus, wie sich das anfühlt. Wenn es sich gut anfühlt, kannst du weiter machen. Lass die Energie sich ausbreiten und verteilen, vielleicht wirst du merken, dass sich etwas in dir öffnet und weiter wird.

Wenn es sich schlecht anfühlt, brich die Übung ab. In dem Fall kannst du auf der Stelle laufen, atme tief durch, orientiere dich im Raum bis es sich wieder angenehm anfühlt.

Mit der Wut arbeiten

Du setzt dich hin und stellst dir vor, du zerschlägst etwas oder trommelst wie ein Dreijähriger voller Wut mit den Fäusten auf dem Boden. Du bleibst aber in der Vorstellung. Wenn du deinen Körper weiter fühlst mit dieser Vorstellung, erreichst du die Ebene des Stammhirns. Dort sind unter anderem auch Trauma gelagert und schau auch da wieder, ob es sich angenehm anfühlt. Wenn es zu viel wird, hör auf. Laufe auf der Stelle, klopft dich ab und sorge wieder für dich.

Dies ist eine Möglichkeit, diese Wut einfach mal da sein zu lassen. Stell dir vor, wirklich etwas zu zerschlagen und auch erfolgreich zu zerschlagen und spüre in jeder Zelle deines Körpers, was du tust ohne die Bewegung wirklich zu machen.

Was kann passieren

Es kann sein, dass dein Körper zu vibrieren oder zu zittern anfängt. Lass ihn das tun. Solange dir warm ist, ist alles gut. Die Energie kommt in Bewegung und ein Teil des Schocks kommt aus deinem Körper. Probiere es aus, nur wenn es sich angenehm anfühlt.

Sonst gehe in ganz kleinen Schritten vor, die Wut einfach nur zu spüren und festzustellen, sie ist da und heute wird sie niemand mehr umbringen. Es ist eine Kinderfantasie, dass jemand stirbt oder ich plötzlich allein gelassen werde und sterbe, wenn ich meine Wut zeige. Als Baby oder Kleinkind war das die größte Angst und war auch berechtigt. Da haben wir gelernt, die Wut in einem engen inneren Kern zuhalten. Fang an Kontakt zu deiner Wut aufzunehmen und zu spüren, was es ist ohne Bewertung, ohne sich damit zu identifizieren, sondern sie in erster Linie als Energie wahrzunehmen und spür den Körper. Wie fühlt sich das im Körper an? Fängt es an zu pulsieren? Was passiert?

Das war es zum Thema Wut und Rage. Ich wünsche dir viel Erfolg damit. Vielleicht kannst du etwas ausprobieren und umsetzen.

Bis zum nächsten Mal!

Dami


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