Die 3 größten Irrtümer über Trauma

Jul 11

In dem heutigen Blogpost ist es mir ein Anliegen 3 häufige Irrtümer über Trauma anzusprechen.

Da es leider ein langer Post geworden ist mit einem langen Video (manchmal kann ich mich einfach nicht kurz fassen), habe ich das Video in 3 Teile aufgegliedert, so dass du nicht alles auf einmal schauen musst.

Im ersten Video gehe ich darauf ein, dass du meisten Menschen unter Trauma leider immer noch nur Schocktraumata verstehen und dann "gilt" auch nur, wenn man schwere Gewalt und Übergriffe, Krieg oder Katastrophen erlebt hat. Das ist weit von der Wahrheit entfernt.

Außer Schocktrauma gibt es noch Entwicklungstraumata und diese sind pratisch epidemisch und in ihren Auswirkungen leider auch gravierend im Leben der Betroffenen. Leider sind diese Entwicklungstrauma und deren Folgen selbst in Kliniken oft nicht anerkannt oder werden heruntergespielt und nicht ernst genommen.

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Schmerzhafte Irrtümer über Traumabearbeitung

Im 2. Teil geht es die Therapie und die Bearbeitung von Trauma. Auch hier gibt es viele Fehlannahmen, die dazu führen, dass Betroffen oftmals viele Irrwege gehen müssen, weil sie nicht dir richtigen Informationen über Trauma und Traumatherapien haben.

Immer noch gibt es die Idee, dass man ein Trauma noch einmal durchleben muss, erzählen muss und es nur dann besser wird. Die Neurowissenschften und die neueste Traumaforschung ist da anderer Meinung. Traumatherapien müssen nicht grausam und hart sein, um zu wirken!

Was (fast) allem Leiden zu Grunde liegt

Im 3. Teil geht es um Symptome und "Diagnosen". Hier entsteht viel Leiden, weil meist jedes Symptom als für sich alleine stehend gesehen wird und dann eine Lösung dafür gesucht wird.

Vor allem bei Depressionen und Angsterkrankungen sehe ich und viele KollegInnen viele Fehldiagnosen, da der auslösende Faktor - sehr häufig Entwicklungstrauma - nicht mitgedacht wird.

Die Grundlage sehr sehr vieler Symptome und Leidensbilder ist ein Mangel an Selbstregulation. Das ist das zentrale Thema der meisten bekannten Diagnosen und Symptombilder. So lange diese nicht verbessert werden kann (worauf übrigens mein Online Kurs abzielt), können sich viele Symptome nicht lösen.

Trauma ist im Grunde eine Selbstregulationsstörung!

Mehr über Selbstregulation findest du hier: Selbstregulation

Wie Selbstregulation entsteht, findest du hier: Bindung 1 und Bindung 2

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Transkript

Hallo, herzlich willkommen zu meinem Blog „Traumaheilung“, ich bin Dami Charf und heute geht es mir um ein sehr wichtiges, grundlegendes Thema, nämlich Trauma – genauer gesagt um drei große Irrtümer, die mir immer wieder im Zusammenhang mit Trauma und der Arbeit beziehungsweise dem Umgang damit auffallen. Diese drei Themen, die ich ausgesucht habe, sind häufig sehr leidbringend für alle Beteiligten, weil sie ein Bild kreieren, das oftmals so nicht stimmt.

Warum Trauma viel mehr ist als die meisten Menschen darunter verstehen

Um genauer darauf einzugehen: der erste häufige große Irrtum ist, was Trauma eigentlich ist und wann jemand traumatisiert ist. Wenn wir gesellschaftlich über Trauma sprechen, denken die meisten Menschen immer noch an den Begriff Schocktrauma. Dieser ist als der Traumabegriff in die Öffentlichkeit und ins Bewusstsein gelangt, wir verstehen darunter meist noch katastrophal lebensbedrohliche Ereignisse, sei es Krieg, Flucht, Vergewaltigung, Gewalt, die Menschen erleben, oder andere solche Dinge. Nur dann kann man sagen, man habe ein Trauma erlebt.

Das ist grundlegend falsch und lässt viele Menschen leiden, ohne, dass sie wissen, was mit ihnen eigentlich los ist. Eine Traumatisierung, auch ein Schocktrauma, hat viel damit zu tun, wie ein Ereignis auf eine Person wirkt, man kann also fast nie sagen: „Dieses Ereignis ist per se traumatisierend.“ Obendrein gibt es oft eine Spaltung zwischen dem, wie unser Kopf etwas einschätzt und wie unser Körper etwas erlebt, vielmehr kann das fundamental voneinander abweichen.

Es kann zum Beispiel sein, dass Du eine Operation hattest, die Du auch wolltest beziehungsweise notwendig war, das heißt, Du hast sie als wichtig für Dich empfunden, es kann aber sein, dass sie für deinen Körper sehr bedrohlich oder sogar lebensbedrohlich war, weil wir zum Beispiel bei einer Narkose zwar im Bewusstsein „abgeschaltet“ sind, aber unser Körper das alles durchaus mitbekommt und es damit vielleicht ganz anders verarbeitet als wir das bewusst meinen.

Außerdem können auch „kleinere“ Ereignisse sehr traumatisierend sein, es kann sein, dass jemand fällt, oder dass man eine Trennung ausgesprochen bekommt, dass man die Nachricht von einer Krankheit bekommt, es kann ein Todesfall einer Person in der Umgebung sein, Unfälle selbstverständlich, und all diese Dinge wirken auf uns. Sie können dabei traumatisierend sein, müssen aber nicht. Somit ist wichtig zu wissen, es kann sein, dass man irgendwann Symptome entwickelt.

Das ist der eine Bereich von Schocktrauma, der viel zu eng gefasst wird, und der andere Bereich ist, dass es natürlich noch eine andere Form von Traumatisierung gibt, die viel früher und sehr häufig im vorsprachlichen Raum unseres Lebens passiert: das sogenannte Entwicklungstrauma.

Das bedeutet, dass viele für unser heutiges Erwachsenenempfinden „kleine“ Dinge zusammen kommen, aber bei zum Beispiel einem Baby, das viel allein gelassen wird, oder das in das Gesicht einer Mutter sieht, die kaum Mimik hat, weil sie depressiv, gehetzt oder gestresst ist, übertragt sich diese Angst der Mutter auf das Kind, oder es liegt alleine, das ist für Babys lebensbedrohlich, das macht Todesangst, schwere Geburten, all diese Dinge in frühen Jahren, bei denen Eltern sich nicht mit dem Herzen kümmern wollen oder können oder sogar missbräuchlich sind, da gibt es viele Facetten, das alles fällt unter Entwicklungstrauma, also viele fortgesetzte Ereignisse.

Häufig, wenn das Erlebte sehr intensiv ist, gibt es darin auch noch Spitzen mit Schocktrauma, und das legt eine Grundlage für unser Leben, die uns oft gar nicht bewusst ist, wir merken nur später im Leben, dass vieles nicht funktioniert, dass wir uns häufig einsam fühlen, dass wir uns anders fühlen, dass wir Stress in Beziehungen haben oder darin, uns in unseren Körpern gut zu fühlen, uns wohl mit uns selbst zu fühlen, und all diese Dinge, für die wir oft keine Erklärung haben, die unser Leben aber dennoch sehr stark beeinflussen.

Das Dritte, das eigentlich ein Teil des Entwicklungstraumas ist, ich benenne es aber trotzdem, ist das Bindungstrauma: es gibt verschiedene Bindungsmuster, und im Idealfall ist dieses ein festes, das heißt, dass da eine Bezugsperson war, die eine sogenannte eingestimmte Kommunikation mit uns hatte, die uns begegnet ist, die Mimik hatte, die uns angemessen gehätschelt und auch angemessen wieder beruhigt hat, uns nicht stundenlang schreien lassen hat, weil sie dachte, dass man das tun muss, oder nur alle vier Stunden gefüttert hat, weil irgendjemand das vorgegeben hat. Man stelle sich vor, man würde dasselbe für Tiere sagen, also, dass die Tiermutter die Hundewelpen nur alle vier Stunden füttern darf, dann hätte man wahrscheinlich den Tierschutzverein am Hals.

Wie auch immer, das alles beeinflusst das Gefühl von Sicherheit in unserem Leben und eine nicht-sichere Bindung bereitet mehr Schwierigkeiten, ins Leben zu gehen, neugierig sein, Dinge zu entdecken, und man hat auch mehr Schwierigkeiten, sich im Erwachsenenalter sicher zu binden und zum Beispiel eine erfüllende Partnerschaft zu haben. Das alles sind Formen von Traumatisierung, die immer noch viel zu wenig bekannt sind, und damit Punkt eins, der erste große Irrtum.

2. Irrtum: Um eine Traumatisierung erfolgreich zu bearbeiten muss man über alles immer wieder sprechen!

Der zweite große Irrtum betrifft die Therapie von Trauma. Sehr häufig wird hier immer noch davon ausgegangen, dass die einzige Therapie von Trauma ist, dass man das Trauma (wobei man wieder vom Schocktrauma ausgeht) verarbeiten muss, indem man darüber redet, bis es nicht mehr schmerzt. Meiner persönlichen Überzeugung nach, wobei andere sicher andere Überzeugungen haben, funktioniert das so nicht. Bei allem, was ich in den letzten fünfzehn Jahren, die ich mich mit dem Thema Trauma beschäftigt habe, gelernt habe, ist das etwas, das sehr wenig funktioniert. Das hat etwas damit zu tun, dass wir heute wissen, dass Trauma im Stammhirn gespeichert wird und der Aktivierung von Überlebensreflexen und deren Überwältigung entspringt. Es hat außerdem damit zu tun, dass es verschiedene Arten von Gedächtnis gibt.

Das explizite Gedächtnis, wozu ich noch einen Blog machen werde, kann erzählen, was passiert ist, zum Beispiel, dass ich gestern jemanden getroffen und wir gewisse Dinge unternommen haben. Aber Trauma ist viel tiefer verankert, nämlich im impliziten Gedächtnis, im Körpergedächtnis. Das bedeutet, dass ich über Sprechen eigentlich immer nur an die oberste Schicht komme und diese tieferen Schichten aus Angst, Überwältigung und Erinnerung reaktiviere. Dadurch erleben Menschen das Trauma genau so, als würde es gerade passieren, was zumindest nicht gut, unter Umständen sogar retraumatisierend ist, und selbst, wenn man dieses Erforschen sehr langsam und vorsichtig angeht, ist meiner Meinung nach eine Ebene von uns nicht angesprochen.

Das heißt, es gibt wesentlich mehr Therapieformen als lediglich darüber zu reden, denn vielen Menschen graut davor, über bestimmte Dinge reden zu müssen. Das verstehe ich und finde es respektierenswert, da der gesunde Menschenverstand sagt, wieso soll es mir nutzen, wenn ich noch mal erlebe, wie grauenhaft das war?

Hier ist sehr viel Vorsicht geboten, es gibt bestimmt Möglichkeiten, über Trauma zu sprechen, aber eben in einer sehr geleiteten, einer langsamen und kleinschrittigen Form, und man sollte meiner Meinung nach unbedingt den Körper als Träger von Erinnerung mit integrieren. Es gibt also tatsächlich mehrere Therapieformen, und nur etwas über das Trauma erzählen oder aufschreiben und immer wieder lesen ist etwas, von dem man weiß, dass es das Trauma immer mehr intensiviert.

Wenn Dir diese Therapie hilft, sollte sie natürlich fortgeführt werden, denn wer hilft, hat recht, aber wenn sie etwas kontinuierlich verschlechtert, ist sie vielleicht doch nicht das Richtige.

Ich möchte nichts pauschal verurteilen, aber ich möchte diese Frage in den Raum stellen, weil Sprechen alleine uns in allen Therapieformen meiner Meinung nach nur bis an einen gewissen Punkt bringen kann, aber nicht darüber hinaus. Erkenntnis ist das Eine, die Umsetzung im Leben dagegen etwas völlig Anderes, denn dafür brauchen wir neue Erfahrungen, bessere Erfahrungen, wir müssen uns nicht wie früher an etwas erinnern, sondern mit jemandem an der Hand, der es mit trägt und mit hält und wirklich da ist, sodass es sich heute anders anfühlt als früher. Einfach abgerufene Erinnerung in egal welchem Sektor bedeutet lediglich, dass ich es noch mal erlebt habe und davon weiß, es bedeutet aber noch lange nicht, dass sich deshalb in Zukunft etwas verändert. Das ist mir ein wichtiger Punkt, über den es mittlerweile viele Bücher, viel Wissen gibt, aber leider eben nach wie vor nicht in der breiten Bevölkerung.

Irrtum Nr 3: Man muss jedes Symptom einzeln bearbeiten

Für den Irrtum Nummer drei, nämlich, dass man jedes Symptom, das man hat, einzeln bearbeiten muss, möchte ich nun diese PowerPoint-Präsentation zeigen, weil ich durch die bildliche Darstellung einfacher deutlich machen kann, dass dem nicht so ist. Wir haben oft viele Symptome und die Leute fragen mich immer wieder: Was mache ich damit, was damit und was damit? Ich möchte hier erklären, dass diese Symptome oft eine Ursache haben, und dass das mit das Wichtigste ist, das du für Dich tun kannst, nämlich Deine Selbstregulationsfähigkeit zu erhöhen, für Dich alleine kannst Du da schon sehr viel tun, und besonders gut ist es, wenn es in einer Beziehung, auch in einer therapeutischen Beziehung, ginge, dass jemand Dir hilft, Dich neu regulieren zu lernen, denn das ist oft die Grundlage von eigentlich fast allen Symptomen, die wir kennen.

Die eine Frage, die sich immer wieder stellt: Muss ich jedes einzelne Symptom extra bearbeiten, wie kann ich dieses Symptom loswerden und was mache ich, damit mich das andere Symptom nicht so plagt? Dafür würde ich Dich gerne ein bisschen mitnehmen in eine Theorie, das ist die Theorie der Selbstregulation und des Window of Tolerance. Wenn Du meine Arbeit schon ein bisschen verfolgst, dann kennst Du diese Theorie schon, aber es ist mir dennoch wichtig, noch mal auf diese speziellen Fragen einzugehen.

Grundsätzlich bewegen sich Menschen innerhalb eines Fensters und das sympathische und das parasympathische Nervensystem, die beide Teil des autonomen Nervensystems sind, schwingen in diesem Fenster hin und her. Grundsätzlich gibt es diesen grünen Bereich, in diesem Bereich sind die Dinge für uns managebar.

Wir müssen nicht immer glücklich und ekstatisch sein, sondern das Leben kann glücklich sein, es kann auch einmal traurig sein, aber es sprengt uns nicht auseinander, es überwältigt uns nicht, wir fallen nicht in Depressionen, verspüren ständig Unruhe oder haben Schmerzen und all diese Dinge. In diesem Bereich sind Menschen fähig, gut in Kontakt zu gehen, mit sich selbst in Kontakt zu sein, sich zu fühlen und auch in sozialen Interaktionen präsent zu sein, und auch der Bereich der Empathie und der Selbstempathie findet in diesem Bereich statt. Sobald wir aus ihm hinausfallen, weil wir etwas nicht mehr handhaben können, also die Erregung in unserem Körper zu stark wird, dann rauschen wir sozusagen nach oben durch, auch das sehen wir uns gleich genauer an.

Das hier ist ein gut reguliertes Nervensystem, das ab und an kleine Spitzen in diesen blauen Bereich hat, aber ansonsten sind wir eben mal angespannt, dann entspannen wir uns wieder, dann sind wir vielleicht mal neugierig und aufgeregt, und dann sind wir erschöpft und müde – aber alles bewegt sich in diesem grünen Bereich, im Window of Tolerance, und dadurch haben wir Zugang zu uns selbst, wir können uns und andere spüren, empathisch sein, sozial interagieren, selbst reflektieren, eine Metaebene halten und Dinge beobachten.

Das Window of Tolerance bildet sich im Großen und Ganzen innerhalb der ersten drei Lebensjahre, das heißt, es kommt ein bisschen darauf an, wie unsere Beziehung, unsere Bindung war, wie gut wir genährt worden sind, wie gut wir gesehen worden sind, wie empathisch und einfühlsam unsere Eltern mit uns umgegangen sind und auch, wie gut sie uns reguliert haben – also wie viel waren sie da, um Stress wieder auszugleichen, um uns zu trösten, wie viel waren sie da, um mit uns zu spielen und uns mit Baby Talk zu begeistern, dass wir uns gefreut und auch gelernt haben, dass Freude etwas Schönes ist.

Daran liegt, wie breit dieses Window of Tolerance im späteren Leben wird, und man kann sich vorstellen, dass man, je enger dieser Bereich ist, weil einfach nicht viel Zuwendung vorhanden war, weil man nicht viel von außen reguliert worden ist, Koregulation nennt sich das, in sich starrer wird, weil man mit der Erregung, die man spürt, nicht ausreichend umgehen kann – damit meine ich, dass jedes Ereignis, das in oder außerhalb von uns geschieht, Erregung erzeugt, das ist wie die Ursprache in unserem Körper und unserer Psyche. Neugierde ist ein bestimmtes Maß an Erregung, Liebe, verliebt sein, und wenn wir in Depression fallen, ist das eine Untererregung, wir kommen nicht mehr wirklich hoch.

Darum geht es bei allen Arten von Trauma, egal ob Bindungsschwierigkeiten, Entwicklungs- oder Schocktrauma. Das Problem hinter Trauma ist eine Selbstregulationsstörung, und all diese Symptome, wenn wir uns nicht gut regulieren können, Erschöpfung, Wutanfälle, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaflosigkeit, Flashbacks, Übererregung, Dissoziation, Angst, Panik, Symptome, die unter Umständen erst mal so wirken, als hätten sie nichts miteinander zu tun, können wir hier einordnen. Das heißt, wenn Menschen in einem übererregten Zustand sind, dann werden sie einige dieser Symptome kennen – jeder Mensch hat ein paar Symptome, aber meistens nicht alle. Und all diese Symptome hier oben sind Zeichen von Übererregung, das heißt, das sympathische Nervensystem ist ständig überaktiv und wir können es nicht mehr herunterregulieren.

Dann gibt es auch noch die Symptome hier unten, wenn das Nervensystem in den Shutdown geht und damit parasympathisch überaktiv ist. Das passiert, wenn wir in den Totstellreflex kommen oder einmal gekommen sind. Dann haben wir später oftmals diese Arten von Symptomen.

Hier, was an Symptomen schwer zuzuordnen ist, weil es auf beiden Seiten auftreten kann, sowohl auf der übererregten Seite als auch auf der untererregten Seite.

Und so sieht ein Nervensystem aus, das nicht mehr gut reguliert ist, das heißt, der sympathische Teil geht immer nach oben durch, und man ist ständig in Symptomen von Übererregung, was das Nervensystem nur bedingt lange halten kann, und dann stürzt es ab nach unten in eine Phase, in der man sich hier befindet. Sobald das wieder umkippt, man hat wieder ein bisschen Kraft, aber dann geht es eben nicht in den grünen Bereich, sondern schießt meistens wieder nach oben darüber hinweg. Das ist das Nervensystem, wenn es nicht mehr adaptiv, flexibel und angepasst auf die Umwelt reagieren kann, sondern sozusagen festhängt in einer Traumaschleife.

Jetzt gibt es zwei Arten, daran zu arbeiten. Schocktraumaarbeit möchte die Spitzen hier oben bearbeiten, sodass die Übererregung gemäß einer körperorientierten Psychotherapie durch bestimmte Techniken aus dem Körper kommt, und auch beim untererregten Zustand möchte man, dass wieder eine Assoziation stattfindet, damit wieder Energie in das System kommt. Das Problem ist, dass man dabei sehr vorsichtig vorgehen muss, weil man sagen kann, dass hinter der Unterregung eigentlich immer die Übererregung steckt.

Das liegt daran, dass während einer Traumatisierung, vor allem bei Schocktrauma, das Nervensystem nach oben durchschlägt, man geht in einen Flucht- und Kampfreflex, man versucht noch, zu kämpfen, man wird überwältigt, aber die ganze Energie ist im System und das führt zum Shutdown, meist verbunden mit Dissoziationen, vergleichbar mit einem Haus, in dem die Sicherungen herausspringen.

Dann fällt man hier nach unten und fühlt nichts mehr in der Situation. Das ist eine Schutzfunktion, die die Natur mit Gnade eingerichtet hat, man bekommt nicht mehr alles, was passiert, komplett mit, man steht neben sich, schaut zu, man spürt nicht mehr ganz so viel Angst und Schmerz, aber natürlich kommt das alles wieder, beziehungsweise merkt es sich der Körper. Wenn man mit Entwicklungstrauma oder der Selbstregulierung arbeitet, versucht man, diesen grünen Bereich weiter zu machen, sodass auch die Spitzen wieder reguliert werden können, dass sie innerhalb des Window of Tolerance liegen, und das geschieht viel über den Körper, die Körperwahrnehmung, das kann geschehen über die therapeutische Beziehung, in der der Therapeut oder die Therapeutin einem hilft, sich zu regulieren – so wie mit einem damals die Bezugspersonen, die Eltern das gemacht haben, so kann auch später ein Therapeut einen später koregulieren und dem Nervensystem so helfen, sich neu zu justieren. Es gibt aber eben auch viele Dinge, die Du selbst machen kannst, damit das Window of Tolerance größer wird und Du wieder mehr Luft bekommst.

Das erst mal als Einführung zu den drei großen Irrtümern, die über Trauma kursieren, und ich hoffe, ich konnte Dir hier etwas mitgeben, damit du dich selbst besser verstehst und bestimmte Sachen besser einschätzen kannst. Es ist mir ein großes Anliegen, viel Wissen über Trauma in die Welt zu bringen, weil so viele Menschen betroffen sind, und auch so viele Menschen betroffen sind, die sich dem gar nicht zuordnen, außerdem, dass Trauma kein Stigma ist, es keine Schwäche ist, mit Trauma zu tun zu haben, und dass es wirklich Möglichkeiten gibt, damit fertigzuwerden und das Leben in eine andere Richtung zu leiten. Dass der Himmel blauer wird, wie ich das immer gerne sage. Ich hoffe, ich konnte Dir ein bisschen Erkenntnis bringen oder einfach neues Wissen vermitteln und freue mich, wenn Du das nächste Mal wieder dabei bist, und damit danke und tschüs, Dami.


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