Körperorientierte Psychotherapie und körperorientierte Traumapsychotherapie

 

Unser Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von Ereignissen, von denen wir nur einen kleinen Teil bewusst wahrnehmen, da sie so alltäglich sind. Zu den Ereignissen, die die Kraft haben unser Leben in einer Sekunde zu verändern, gehören traumatische Ereignisse. Es sind tief eingreifende Erlebnisse in unserem Leben, die uns plötzlich und unerwartet begegnen (Schocktrauma).

Manchmal sind Traumata aber auch schleichende und eher zermürbende Erfahrungen, die keine einmalige emotionale Spitze aufweisen (Entwicklungstrauma). Sie zeichnen sich durch langanhaltende Belastung und Stress aus, die den Menschen seiner Ressourcen berauben und ein Gefühl von Resignation, Wertlosigkeit und Hilflosigkeit hinterlassen. Hierzu gehören z.B. Vernachlässigung in der Kindheit, emotionale Kälte oder Beziehungslosigkeit in der Kindheit oder in Liebesbeziehungen, anhaltende Angst in Kindheit oder erwachsenem Alter.

 

All diesen Erfahrungen ist gemeinsam, dass sie uns von uns selbst und anderen abschneiden. Sie werfen uns zurück auf die Basisbedürfnisse des Lebens, wie der Suche nach Sicherheit und hindern uns oftmals ein selbstbestimmtes und verbundenes Leben zu führen.

 

Bei meiner Arbeit gehe ich davon aus, dass Trauma uns in unserer Entwicklung einerseits zurück wirft und hindert, aber auch an anderen Stellen fördert (traumatisches Wachstum). Außerdem sehe ich eine Traumatisierung als ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren und nicht so sehr als Ergebnis einer linearen Ursache-Wirkung-Abfolge. In dieser Sichtweise ist Traumaverarbeitung eher ein spiralförmiger Prozess, da wir in unserer Persönlichkeitsentwicklung an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig gehindert und gefördert sind und nicht nur, wie es oft gesehen wird, einseitig zurück geworfen. Wir können also z.B. gleichzeitig an einer Stelle mehr Stress haben und an anderer Stelle sensibler geworden sein.

 

Es ist für mich wichtig zu vermitteln, dass traumatische Erfahrungen zum menschlichen Dasein auf dieser Erde dazu gehören, sie sind Teil der menschlichen Lebensbedingungen. Manchmal jedoch fehlen uns die Ressourcen und Möglichkeiten diese Erlebnisse allein zu bewältigen und zu integrieren.

 

Leider erbringt normales therapeutisches Handwerkszeug bei traumatischen Symptomen oftmals nicht die gewünschten Ergebnisse, da Trauma im Gehirn und Nervensystem völlig anders abgespeichert wird als andere emotionale Ereignisse (siehe auch „Trauma und Körper“).

Doch gerade durch diese tiefen Veränderungen im Nervensystem birgt Trauma auch die Chance für radikale Veränderungen, wenn es verarbeitet und integriert werden kann.

 

Auf der nächsten Seite finden Sie noch mehr Informationen über meine psychotherapeutische Arbeit und auch über Kosten und Möglichkeiten.

 

Der folgende Text lohnt sich für Sie zu lesen, da er viele Missverständnisse und Erwartungen aufklären kann. Haben Sie darüber hinaus noch Fragen oder Kommentare, scheuen Sie sich nicht mit mir in Kontakt zu treten!

 

Für Sie als KlientIn ist es wichtig zu wissen, dass mit den zwei unterschiedlichen Formen von Trauma verschieden gearbeitet wird. Sehr oft beziehen sich Entwicklungstraumen auf die Kindheit, aber dies ist nicht zwangsläufig so, auch lange destruktive Beziehungen hinterlassen ähnliche Spuren, da wir gerade in Beziehungen sehr empfindsam gegenüber neuen Einflüssen und Prägungen sind.

Die meisten Traumatherapien sind Schocktraumatherapien (auch wenn dies leider oft nicht explizit gesagt wird) und dienen der Auflösung einmaliger traumatischer Erfahrungen. Hat der Klient oder die Klientin viele Ressourcen und steht stabil im Leben, so können diese traumatischen Erlebnisse durchaus relativ schnell aufgelöst werden. In meiner Praxis stehen für diese Arbeit die Ansätze EMDR, die Schocktrauma-Arbeit des Bodynamic Instituts und Somatic Experiencing von Peter Levine zur Verfügung.

 

In dem Augenblick aber, in dem traumatische Ereignisse eingebettet sind in die gesamte Kindheit oder sich über lange Zeit erstrecken, so wird die therapeutischen Arbeit langfristiger, da die traumatischen Erfahrungen das Erleben der Welt und die Beziehungen zu anderen Menschen oft tiefgreifend geprägt haben. Die Auflösung dieser Prägungen und Überzeugungen, die Wiederherstellung von Vertrauen und Selbstachtung ist ein langfristiger Prozess.

Oftmals ist KlientInnen auch nur ein herausragendes Ereignis (Schocktrauma) bewusst und erst bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass schon die allgemeinen Voraussetzungen in der Kindheit nicht ideal waren oder dass das eine Erlebnis nur das letzte Glied einer Kette von Ereignissen war, welches das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt, der den therapeutischen Prozess beeinflusst, ist die Fähigkeit zur Selbstregulation. Darunter versteht man die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen, mit sich und dem eigenen Körper, Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu sein, die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und realistischen Selbsteinschätzung und dem Umgang mit inneren Impulsen.

Eine Frage, die ich gerne stelle, um heraus zu finden, wie es mit der Fähigkeit zur Selbstberuhigung aussieht, ist die Frage, was passiert, wenn Sie sich auf Ihr Sofa setzen und nichts tun? Werden Sie unruhig oder fangen Sie an die Zeit zu genießen? 

 

Man geht heute davon aus, dass Selbstregulation in den ersten drei Jahren unseres Lebens durch den Kontakt mit unseren primären Bezugspersonen entsteht. Da Kinder sich noch nicht selbst regulieren können, weil ihr Nervensystem noch nicht voll ausgebildet ist, brauchen sie die liebevolle Zuwendung durch die Eltern und den Körperkontakt mit diesen. Eltern stimulieren das Kind, in dem sie mit ihm sprechen und spielen. Genauso beruhigen sie das Kind wieder, wenn es zu aufgeregt wird. Es bekommt angemessene Ruhepausen, um sich zu erholen und weiß sich in sicherem Schutz und Verbindung mit den Eltern. Durch liebevolle Spiegelung bekommt das Kind ein Gefühl für sich selbst, seine Gefühle und Fähigkeiten.

Haben Menschen all dies in nicht ausreichender Form bekommen und war keine andere Bezugsperson da, die den Mangel etwas ausgeglichen hat, so fehlen uns als Erwachsene oft einige dieser wichtigen Fertigkeiten: uns mit liebevollem Blick realistisch zu sehen, positiv in die Welt zu schauen, tragende und liebevolle Beziehungen zu knüpfen und zu halten, Grenzen zu setzen und „Nein“ sagen zu können, Freude zu fühlen und für unsere Erholung zu sorgen und uns als wichtigen Teil dieser Welt zu fühlen.

 

 

Leider scheint es so zu sein, dass uns ein solcher Mangel, in den ersten Jahren unseres Lebens, empfindlicher gegen die Herausforderungen des Lebens werden lässt. Wir haben dann oftmals weniger Ressourcen und Resilienz (die Fähigkeit nach Belastung wieder in die Ausgangsposition zurück zu schwingen), die wir diesen Belastungen entgegensetzen können. Die Verarbeitung und Integration schwerer oder gar traumatischer Erfahrungen wird erschwert.

Das bedeutet, dass im therapeutischen Prozess diese Fähigkeiten nachgelernt werden müssen, um eine Integration des/der Traumas/Traumen möglich zu machen und die Widerstandskraft für kommende Belastungen zu stärken.

 

Schließendlich kann eine Therapie oder auch Traumatherapie nicht nur daraus bestehen, das Trauma zu verarbeiten und die negativen Folgen zu beheben. Wie Martin Seligman (ein Pionier der positiven Psychologie) deutlich sagte: „Ich dachte, wenn ich Klienten helfe ihre Depression, Angst oder Traurigkeit loszuwerden, dann bekomme ich einen glücklichen Klienten. Doch das war nie der Fall. Stattdessen bekam ich eine leere Person.“ In diesem Sinne geht es auch darum neue Werte und Sichtweisen auf das Leben zu schaffen und gemeinsam mit den Klienten neue Möglichkeiten und Ressourcen zu finden, wie das Leben glücklicher gelebt werden kann.

 

Noch ein Wort zum Schluss:

Traumatische Erfahrungen sind oft einsame Erfahrungen, wir haben uns alleine, verloren und ohnmächtig gefühlt. Daher kann es für Sie richtig sein, noch eine Person ihres Vertrauens mit in die Therapiestunde zu bringen. Jemand der oder die eine Kraftquellle und Stütze für Sie ist. Es kann sein, dass dies an bestimmten Punkten des Prozesses sehr förderlich für Sie sein kann. Scheuen Sie sich dann nicht, jemanden mitzubringen.

 

Tipps für die Suche nach für Sie geeigneten TherapeutInnen, finden Sie unter: Tipps

 

Kosten:

 

65 € / Stunde (keine Kassenübernahme)

 

Je nachdem mit welcher Thematik Sie arbeiten möchten und Sie vielleicht keine passenden Therapeuten in Ihrer Nähe haben, kann es auch sinnvoll für Sie sein für eine Woche nach Göttingen zu kommen und jeden Tag 90 min zu arbeiten. Ich kann Ihnen gerne helfen nach einer passenden Unterkunft zu schauen oder diese für Sie organisieren.