Ausbildung in Somatisch Emotionaler Integration SEI

Körperorientierte Traumapsychotherapie

 

  „Dass ich bin, erfüllt mich immer wieder mit neuem Staunen.

Und dies bedeutet Leben.“

Rabindranath Tagore

 

 

Traumatische Erfahrungen gehören zu den menschlichen Lebensbedingungen. Uns allen widerfahren schreckliche Dinge und schmerzhafte Ereignisse. In vielen Fällen haben wir die Ressourcen und Kräfte diese zu bewältigen, an ihnen zu wachsen und sie irgendwie in unsere Biographie zu integrieren.

Manchmal jedoch übersteigen die Ereignisse unsere Fähigkeiten, mit ihnen fertig zu werden. Dann werden traumatische Ereignisse zu Hindernissen im Leben, an denen wir das Gefühl haben, zu zerschellen oder immer wieder an der gleichen schmerzhaften Stelle zu landen. Wir fühlen uns fremd und abgeschnitten, das Leben ist nicht mehr selbstverständlich, der Körper wird zum Feind, weil in ihm die alten Schmerzen lauern. Wir werden unruhig und rastlos und können uns nur schwer entspannen und fallen lassen. Unser Vertrauen ist erschüttert und wir fühlen uns alleine.

 

Traumatische Ereignisse können wie ein Tor sein, in eine uns fremde Dimension. Eine Dimension von Schmerz und Angst, aber auch, bei positiver Bewältigung, in eine neue Dimension von Verbundenheit, von Wissen über die Endlichkeit unseres Seins, von Vertrauen in das Leben und seine Geheimnisse und Möglichkeiten, von Kreativität und Widerstand gegen ungesunde Normen.

 

In der Trauma-Arbeit SEI geht es deshalb darum zu erfahren und zu begreifen, dass Trauma ein zweischneidiges Schwert ist, in dem viele Chancen zum Wachstum liegen (Traumatic Growth), aber auch die Möglichkeit des inneren Scheiterns und hängen-bleibens in einer schmerzlichen Endlosschleife lauern.

 

Als TherapeutInnen wollen wir den Weg vorausgegangen sein, den unsere Klienten vor sich haben. Unsere eigene innere Integration von Schmerz und Trauma, unser eigener Glaube an die Kraft des Lebens und der Verbundenheit im Kontakt, geben unseren Klienten die Kraft, sich auf das Wagnis der Traumabewältigung einzulassen.

 

Ein Grundpfeiler der therapeutischen Arbeit SEI ist die Fähigkeit des Therapeuten zur dualen Aufmerksamkeit. Dies bedeutet zu lernen, den eigenen Körper mit seinen Körperempfindungen und Gefühlen die ganze Zeit wahrzunehmen und gleichzeitig in Resonanz mit dem Gegenüber zu gehen und zu fühlen, was diese in ihrem Körper fühlen. In diesem tiefen Kontakt kann mein Gegenüber sich gefühlt fühlen (to feel to be felt). Dieses „sich gefühlt fühlen“ lässt tiefes Vertrauen entstehen, in dem auch schwierige Dinge plötzlich möglich werden und Schritte gegangen werden können, die vorher unvorstellbar waren.

 

„Sich gefühlt zu fühlen“ ist eine wesentliche Voraussetzung für die menschliche Entwicklung, um ein positives Selbstgefühl und die Fähigkeit zur    Selbstregulation zu entwickeln. 

 

Selbstregulation ist die Grundlage der Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit von Menschen.

 

Oftmals ist diese Fähigkeit allerdings durch ungünstige Bedingungen nur ungenügend entwickelt. Man weiß jedoch heute, dass es möglich ist Selbstregulation nachzulernen. Dazu braucht es jemanden – in dem Fall uns als TherapeutInnen – der uns von Außen reguliert. Man könnte sagen, wir „leihen“ den Klienten unser eigenes Nervensystem, bis diese sich selbst wieder besser regulieren können (Co-Regulation). Diese auf Resonanz beruhenden Prozesse sind eine wichtige Grundlage, durch welche das Nervensystem des Klienten sich neu ausrichten und damit seine Selbstregulationsfähigkeit erhöhen kann. Durch diese Resonanz und Verbundenheit (mutual connection) ist es den Klienten möglich eine neue Balance zu finden und sich auf einem höheren Level der Selbstregulation neu einzuschwingen.

Wesentlich dafür ist, dass wir als TherapeutInnen lernen, uns selbst fühlen und regulieren zu können.

 

Erst wenn Klienten sich fühlen und immer häufiger selbst regulieren können, ist es möglich eine erfolgreiche und nachhaltige Traumaexposition mit dem Klienten zu beginnen. Vorher kann man zwar kurzfristig Erleichterung schaffen, aber der Klient ist nicht fähig, sich bei künftigen Ereignissen selbst zu regulieren, um dadurch nachhaltig resistenter gegen künftige stressvolle Ereignisse zu sein.

Bei der Traumaexposition geht es darum den Körper bei der Verarbeitung des traumatischen Ereignisses zu unterstützen und die dem Körper innewohnenden Selbstheilungsmechanismen zu aktivieren. Die Eleganz der körperorientierten Methoden liegt darin, dass die Klienten das Trauma emotional nicht noch einmal durcherleben müssen.


Am Ende der Traumaexposition steht die Integration und Neuinterpretation des Geschehenen. Alte Überzeugungen, die mit dem traumatischen Ereignis entstanden sind, werden abgebaut und neu erfahren, so dass eine positive Integration des Gewesenen in die Biographie stattfinden kann.

Während der Traumaexposition kann es zu Momenten höchster Einsicht, Verbundenheit und Liebe kommen. Das Tor in eine andere Daseins-Dimension wird durchschritten und ändert die Sicht auf das Leben unter Umständen für immer. Ich nenne diese Augenblicke, Momente der Gnade. Weil sie ein Geschenk des Lebens an uns sind und uns daran erinnern, dass wir nie wissen, wofür etwas gut oder schlecht ist. Und damit wir als BegleiterInnen die Demut behalten, dass auch wir nicht wissen und es wichtig ist, immer wieder zurück zu treten und der Erfahrung unserer Klienten zu folgen und diese nicht durch unsere Vorstellungen zu bestimmen.

 

Inhalte der Ausbildung:

 

Block 1

  • ·       Einführung in die Neurobiologie von Trauma
  • ·       Das soziale Nervensystem (Stephen Porges) und seine Bedeutung für die Arbeit mit Trauma
  • ·       Selbstregulation und die Entstehung von Selbstregulation
  • ·       Resonanz und Wahrnehmung
  • ·       Körperwahrnehmung und duale Aufmerksamkeit

 

Block 2

  • ·       Ressourcen und ihre Verkörperung
  • ·       Gesprächsführung mit traumatisierten Klienten
  • ·       Die Bedeutung von Gruppe und Gemeinschaft für die Arbeit mit Trauma
  • ·       Grenzen und Containment
  • ·       Körperwahrnehmung und duale Aufmerksamkeit

 

Block 3

  • ·       Arbeit mit hochenergetischen Erlebnissen
  • ·       Fixierung und Flow
  • ·       Bedeutung von Orientierung und Arbeit mit Orientierung
  • ·       Erkennen von Körperhinweisen zur Traumabewältigung
  • ·       Arbeit mit willkürlichen Bewegungen zur Traumabewältigung
  • ·       Arbeit mit habituiertem Verhalten

 

Block 4

  • ·       Dissoziation und Auflösung von Dissoziaton
  • ·       Traumaexposition
  • ·       Überschneidungen von Schocktrauma und Entwicklungstrauma

 

Block 5

  • ·       Traumaexposition
  • ·       Integration
  • ·       Überzeugungen und Glaubenssätze
  • ·       Entidentifikation von Trauma und den Folgen

 

 

Das Ziel der Ausbildung, ist mit einer Traumatisierung arbeiten zu können und den Klienten kognitive und körperliche Ressourcen zu vermitteln, die ihnen neue Handlungsmöglichkeiten in ihrem Leben ermöglichen.

Durch die Bearbeitung des Traumas soll es den KlientInnen wieder möglich werden, sich mit sich selbst, anderen und der Gesellschaft zu verbinden, ohne die eigenen Grenzen aufzugeben. Es geht daher nicht nur um die Reduktion oder Bewältigung von Symptomen, sondern auch darum Lebendigkeit und Energie auf einer neuen Stufe erleben und energetisch halten zu können.

 

In jedem Block ist Zeit für supervisorische Fragen. Übungseinheiten zur Selbsterfahrung und der praktischen Anwendung sind zentraler Bestandteil der Ausbildung. Außerdem werden immer wieder therapeutische Ausschnitte vor der Gruppe gezeigt, in welchen auch die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit eigenen Themen besteht.

Die Ausbildung ersetzt jedoch keine Eigentherapie und eine Grundstabilität wird vorausgesetzt.

 

Die Ausbildung besteht aus 15 Tagen mit insgesamt 90 Stunden.

 

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